Pflanzen in Costa Rica

Kapitel 3: Pflanzen

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Ökosystem Mangroven

Mangroven am Rio Tárcoles: Die Buschformen am Rande sind Rote Mangroven und die hohen Bäume im

Hintergrund sind Schwarze Mangroven

Ökosystem Mangroven in Costa Rica

 

Einteilung

Es gibt etwa 8 Arten von Westmangroven an den tropischen Küsten des

amerikanischen Doppelkontinents und der Westküste Afrikas.

 

Ca. 50 - 60 Arten Ostmangroven verteilen sich auf den Osten Afrikas, Asiens und

Australien.

 

Desweiteren werden die Baum- oder Straucharten ökologisch noch nach den

Standorten unterschieden:

 

Flussmündungsmangroven:

 

Sie benötigen salziges Meerwasser, sowie auch süßes Flusswasser. Sie wachsen

also hinter der Küstenlinie entlang sedimentreicher Ströme und in den

ausgedehnten Deltas der Flüsse.

 

Küstenmangroven:

 

Sie wachsen an brandungsgeschützten Buchten, Lagunen oder hinter

vorgelagerten Korallenriffen an allen tropischen Küsten. Der Wellenschlag darf hier nicht zu stark sein.

 

Riffmangroven:

 

Diese Mangroven siedeln sich å neu entstehenden Korallenriffen an. Da so etwas in den versauerten Meeren kaum noch geschieht, ist ihre Bedeutung entsprechend gering.

Alle hier besprochenen Mangroven sind Flussmündungsmangroven, meistens vom Rio

Tárcoles, Costa Rica

Einordnung

Im ganzen Netz ist

nichts zu finden, was

mal eben eine schnelle Bestimmung der im Urlaub gesehenen

Mangroven ermöglicht.

 

Deshalb hier der

Versuch auf dieser

Seite, das zu ändern.

Es gibt keine Ordnung oder Familie der Mangroven. Die Bäume oder Sträucher gehören unterschiedlichen Ordnungen und Familien an, was die Bestimmung nicht gerade vereinfacht.

 

Unter dem Ökosystem der Mangroven sind die salztoleranten Bäume und

Sträucher zusammengefasst, die in den Gezeitenzonen der tropischen Küsten

wachsen. Das Wasser darf eine Temperatur von 20°C nicht unterschreiten.

 

Die Art und Weise, wie die Pflanzen mit dem Salzgehalt klarkommen, ist sehr

unterschiedlich. Einige Pflanzen reduzieren schon bei der Wasseraufnahme

Salzionen. Andere scheiden über Drüsen im Blatt Salz wieder sichtbar aus oder

werfen das Blatt samt gespeichertem Salz einfach ab.

Brackwasserkanal

Anzahl

Bedeutung

Dieser Kanal mit Brackwasser verläuft parallel zur Küste. Er ist ca. 5 km lang

und hat eine Öffnung zum Rio Tárcoles kurz vor der Küste. Er ist um die 7 Meter

tief und eine leichte Strömung gibt es nur bei Gezeitenwechsel.

 

Ausgewachseme Krokodile kommen kaum hier her. Sie finden keine sonnigen

Sandbänke oder freie Ufer hier wie ein paar Meter weiter an der Mündung. Aber

ihre Jungen sind die ersten Jahre hier und verstecken sich zwischen den

Wurzeln.

 

In Costa Rica sind 5 Mangrovenarten zu finden. Klar, die Corcodile Men kennen

sie alle. Nur mit den lateinischen Namen kamen wir im Januar 2014 und in den

Jahren zuvor nicht zurande. Trotz Zuhilfename des Mobile auf dem Boot und

trotz dicker, spanisch- und englischsprachiger Bücher waren die lokalen Namen,

die sie schon immer kannten, nicht zu finden. Es hatte ja auch noch nie jemand

danach gefragt.

 

So kannten sie eine "Pineapple Mangrove" und eine "Lady Bag Mangrove",

die sie zielsicher zeigen konnten. Die Erstere entpuppte sich als Tea Mangrove

Pelliciera rhizophorae. Die andere als Weiße Mangrove.

 

Mangroven gehören neben den Regenwäldern und den Korallenriffen zu den

produktivsten Ökosystemen der Erde. In den Mangrovenwäldern leben Reptilien,

Vögel und Säugetiere. Hier ziehen sich die jungen Krokodile zurück, um nicht

von Papa oder Mama gefressen zu werden und kommen erst mit 2 oder 3

Jahren zurück in den Fluss. Wie hier am Rio Tárcoles, Puntarenas, Costa Rica.

 

In den vielfältigen Habitaten zwischen den Wurzeln wachsen Fische, Krebse und

Muscheln heran. Auf den Wurzeln sitzen Seepocken, Schnecken, Austern,

Algen und Schwämme. Im tieferen Wasser leben viele Fisch- und Krebsarten.

Das ganze System reagiert äußerst empfindlich auf Störungen jeder Art.

Außerdem gibt es keinen besseren Küstenschutz als Mangrovenwälder. Selbst

Tsunamis halten sie aus - nur nicht den Menschen.

Abholzung

Die Menschheit ist blöd. Oder doch nur

an allen Ecken und Enden korrupt? Sie

holzen gnadenlos dieses für alles

Leben so wichtige Biotop einfach ab.

Touristen wollen an der Küste

schließlich weißen Sand sehen. Und

Shrimps essen.

 

Auf den Böden der abgeholzten

Mangrovenwälder werden gerne

Becken für die Zucht von Garnelen

angelegt. Schlagartig geht damit der

Fang der einheimischen Fischer zurück.

 

Nach 8 - 10 Jahren müssen die Becken sowieso wieder aufgegeben werden. Sie sind mit Chemikalien und

Antibiotika total verseucht. Da wächst

nie wieder was.

Hier standen mal Mangroven.

Die Arten:

Ordnung Malpighienartige - Malpighiales

Familie Rhizophoragewächse - Rhizophoraceae,  

 

Tribus Rhizophoreae 

 

Rote-Mangrove - Rhizophora mangle

In ihrem Verbreitungsgebiet an

den tropischen Küsten Amerikas

und Westafrikas ist die Rote

Mangrove die am häufigsten

anzutreffende Art.

 

Sie sind durch ihre

bogenförmigen, nach unten

wachsenden Luft- oder

Stelzwurzeln auch am

leichtesten zu erkennen. Hier im

Land wächst sie zu 5-8 Meter

hohen, relativ geraden Stämmen

heran. An günstigen Standorten

werden die Bäume auch bis zu

30 Meter hoch und erreichen

einen Stammdurchmesser von

90 cm.

 

Die Stelzwurzel verbessern

einerseits die Standfestigkeit des

Baumes und sind andererseits

wichtig für die Sauerstoffversorgung. Den gibt

es in den hochverdichteten,

schlammigen Böden nicht. Das

Brackwasser bringt

ununterbrochen feine Sedimente

heran, die jede

Sauerstoffspeicherung im Boden

unterbinden.

Abgebildet ist ein halb

ausgewachsener Keimling.

Später ist der grüne Schaft

doppelt so lang. iIrgendwann fällt

er ab und bleibt mit der Spitze im

Schlick wie ein Dartpfeil stecken

und keimt sofort aus...

...oder treiben auf dem Wasser

weg, um sich bei der nächsten

Bodenberührung festzusetzen.

Wie hier auf dem Bild an einer

Sandbank der Rio Tárcoles

unmittelbar am Anfang des

Kanals durch die Mangroven.

Vorderseite der Blätter

Rückseite  der Blätter

Die immergrünen Blätter sind max.

13 cm lang und 6 cm breit. Sie sind

elliptisch und laufen oben in einer

stumpfen Spitze aus. Der ca. 3 cm

lange Blattstiel trifft auf ein unten

verschmälertes Blatt.

Es ist oben glänzend dunkelgrün

und unten matt gelblich-grün

gefärbt. Die Blattränder sind ganz

leicht nach unten gebogen. Läuft

da der Regen besser ab?

An den Triebenden stehen die

Blätter büschelweise. An der Spitze

stehen die Keimlinge (s. o.).

Das Holz der Rhizophora

mangle ist schwer, hart und

dauerhaft. Doch Termiten mögen

es, Pilze nicht. Es ist druck-,

biege- und scherfest. Der

Wassergehalt ist gering.

Das Holz ist zweifarbig. Innen, der

Splint, ist gelblich hell. Weiter

nach außen ist rot- oder

dunkelbraun.

In den Mangrovenwäldern am Rio

Tárcoles nisten die Roten Aras,

hier Lapas genannt.

 

Hier schlafen sie auch. Kurz nach

Sonnenaufgang fliegen sie über

den Fluss in den nahen

Nationalpark Carara oder in die

Mandelbäume entlang der Küste.

 

Erst kurz vor Sonnenuntergang

kommen sie - immer paarweise -

hier mit ihrem lauten Geschnatter

wieder an. Sie am Tage vom Boot

aus in den Mangroven zu

entdecken, ist fast unmöglich.

Bei jungen Roten Mangroven ist die Borke glatt und graubraun.

Später wird sie grau und rissig. Die Stelzwurzeln setzen auch noch 3

m über dem Boden an, um dem Baum Standfestigkeit und Sauerstoff

zu geben.

Ordnung Myrtenartige - Myrtales 

 

Familie Flügelsamengewächs - Combretaceae 

 

Ananas- oder Tea Mangrove - Pelliciera rhizophorae

Links neben dem roten Rechteck ist die zwiebelähnliche Frucht schwach

zu sehen. Sie ist neben an dargestellt.

Die Frucht ist schwer und die

Spitze dringt beim

Herunterfallen tief in den

schlammigen Boden ein wo sie

unmittelbar danach auskeimt.

 

 

 

 

Die Freunde vom Fluss erklärten

den Namen "Pinapple

Mangrove" so: Nimmt man einen

Zweig mit Blättern in die Hand

und streicht diese nach vorne,

sieht das entstehende Bündel

aus wie die Blätter der Ananas.

Der Name Tea Mangrove kommt

von den Tanninen (Gerbstoffe) in

den Blättern wie sie auch im Tee

enthalten sind-

 

 

 

Ist die oben beschriebene Rote

Mangrove die häufigste Art in

Mittelamerika, ist die Pelliciera

rhizophorae die seltenste.

Sie kommt nur vom nördlichen

Ende des Golfes von Nicoya -

beinahe in Sichtweite hier vom

Rio Tárcoles, jedenfalls von den

Bergen oben - bis nach Ecuador

auf der Pazifikseite vor. Isolierte

Bestände soll es auch an der

Atlantikseite geben.

Im deutschsprachigen Internet

hat diese seltene Teemangrove

kaum einen Eintrag.

Familie Flügelsamengewächs - Combretaceae 

 

Weiße Mangrove - Laguncularia racemosa

Die Blätter der Weißen Mangroven sind an den Spitzen breit abgerundet wie ein Paddel

Warum die Weiße Mangrove hier

am Rio Tárcoles "Lady Bag

Mangrove" genannt wird, war

nicht herauszubekommen.

 

Die Laguncularia racemosa wächst

sowohl als Baum oder auch als

Strauch wie auf dem ersten Bild

gezeigt.

 

Die Blattstiele besitzen kleine

Drüsen an denen sie eine

weißliche Substanz absondern -

wahrscheinlich Salz.

 

Die Frucht ist außergewöhnlich

klein. Sie wird nur 12 - 20 mm

lang. Sie hat nur einen

Durchmesser von einem

Zentimeter.

 

Weiße Mangroven wachsen nur an den tropischen Küsten in Westafrika und des amerikanischen

Doppelkontinentes. Hier am Rio Tárcoles sind sie relativ selten zwischen den Büschen der Roten Mangroven zu entdecken.

Ordnung Lippenblütlerartige - Lamiales 

 

Familie Akanthusgewächse - Acanthaceae 

 

Schwarze Mangrove - Avicennia germinans

Die Baumkronen der Schwarzen Mangroven an der gleichen Stelle wie auf dem Eingangsbild

Die Schwarze Mangrove hat das

gleiche Verbreitungsgebiet wie die

oben beschriebene Weiße

Mangrove.

 

Schwarze Mangroven wachsen

zu großen Bäumen heran. Sie

erreichen mühelos eine Höhe von

25 Metern. Sie haben dann aber

nur einen Stammdurchmesser von

40 cm.

 

Das beste Merkmal, sie zu

erkennen, sind die fingerdicken

Atemwurzeln, die in

gleichmäßigen Abständen unter

dem Kronenbereich wachsen und

die den Wurzeln im Schlick bei der

Sauerstoffversorgung des Baumes

helfen.

 

Da die Bäume keine Stützwurzeln

wie die Roten Mangroven

ausbilden, wurzeln sie flach weit

unter dem Kronenbreich hinaus.

Dadurch haben sie auch Platz für

viele der dünnen Atemwurzeln, die

30 cm aus dem Boden ragen.

 

Ein junger Baum mit 2-3 Meter

Höhe kann schon mal 10.000

dieser Pneumatophoren

entwickeln.

Die Blätter der Schwarzen Mangrove scheiden über Drüsen an der

Unterseite das überschüssige Salz perlenförmig aus. Der Regen wäscht

es ab. (Die Blätter hier waren ins Wasser gefallen.)

Es ist gar nicht so einfach, an Blätter der Schwarzen Mangrove ranzukommen. Da muss man sich schon einen umgestürzten Baum suchen. Das sind die Blätter leider nicht mehr frisch.

Nachlese

Schwarze Mangrove? Oder doch eher eine Rote als Baum? Darauf

deuten die Luftwurzeln hin, die graue Farbe der Borke und es sind keine der bleistiftdicken Atemwurzeln zu sehen, die aus dem Boden schauen.

Eine der vielen Krabben im Mangrovenwald. Sie ist keine 4 cm breit.