Hamburg
Restaurants

Vasco da Gama ist gar nicht fortgesegelt. Der war schon immer hier!

Italiener

Thai und Grieche

Noch ein Italiener

Während am Steindamm nah des Hauptbahnhofs arabisch stämmige Bewohner ihre Geschäfte haben, es viele Türken, Iraner und Afghanen gibt, ist in der Langen Reihe eher eine portugiesische Community zuhause.

 

„Vasco da Gama“, ein gutes Restaurant für Sardinas  asadas gibt es schon lange. Genau wie das kleine „Casa Portugal“, wo Dalia an

Städte und Landschaften in Deutschland

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Freie- und Hansestadt Hamburg

St. Georg

Anatomie einer Straße: Lange Reihe

Langen Reihe, St. Georg, Hamburg

Immer wieder Hamburg! Aber nie Reeperbahn und nie so ein Musical (Gab es nach „My Fair Lady“ denn noch mal ein Gutes?). Auch nicht die überall sich gleichende Geschäfte in der Mönckebergstraße und die teuern am Jungfernstieg. Die St. Pauli Landungsbrücken und der Hafen sind natürlich ein muss. So richtig rund lauft es dagegen in St. Georg.

 

Nicht das schmuddlige Viertel am Hauptbahnhof und nicht unbedingt der vor Türken, Persern und Afghanen nur so wimmelnde Steindamm, sondern der Mikrokosmos auf der

 

Langen Reihe, St. Georg.

Die Bebauung ist ziemlich rudimentär, erinnert noch an den Krieg. Hier am Anfang der Langen Reihe nahe der Kirche St. Georg. Aber es gibt kleine Geschäfte, Restaurants, Backstuben, Bars, Krimskramläden - richtig urban und lebendig ist die Straße.

Zufall

Wie es der Zufall so will, kam das Gespräch an der kleinen Bar im kleinen Hotel am Pazifikstrand in Jáco, Costa Rica, auf die Lange Reihe. Der Kapitän a. D., der jahrelang die Bananen, die sein Bruder im Land anbaute, von Port Limón nach Europa gefahren hat, erzählte von einem Juden, der vor Jahrzehnten sehr viele Häuser in dieser schmalen Straße wohl recht preiswert aufgekauft hat. Dann hat er gewartet. Beide Brüder waren a) erstaunt, dass man das Land schon seit den 70er Jahren und b) jeden Laden auf der Langen Reiher kannte.

 

Jetzt boomt die ganze Gegend ungeheuer. Man merkt es auch als Fremder, dass alle paar Monate alteingesessene Geschäfte schließen und die neuen auch schnell wieder weg sind. Und das nicht nur die Ladenbetreiber unisono über exorbitant steigende Mieten klagen.

St. Georg

St. Georg gehört zum Stadtteil Hamburg-Mitte und ist man gerade 1,8 km² groß. Knapp 12.000 Einwohner kämpfen hier mit den steigenden Mieten. Die liegen schon bei 12 €/m². Der Ausländeranteil liegt bei 23 %, dem Augenschein nach aber viele Westeuropäer und kaum Muslime, zumindestens in der Langen Reihe.

 

Wie sehr das Viertel zusammenhält zeigt der vehement Kampf gegen die versuchte Vertreibung des einzigen Buchladens - und er wurde gewonnen. Es fand sich ein neuer Laden am Markt. Das sagt einiges über die Bewohner, die Mieten und über den Kiez aus.

Hart umkämpfter Buchladen

Den Namen hat das Viertel durch das Krankenhaus. Es wurde 1200 gegründet und war erst ein Lepra- dann ein Pesthospital, benannt nach dem Heiligen Georg. Von 1606 bis 1951 fungierte es als Armenstift.

Früher war in der Litfaßsäule ein kleiner Blumenladen. Auf den Carl-von-Ossietziky-Platz findet ein kleiner Wochenmarkt statt.

Im Krieg wurde St. Georg fast ganz zerstört. Der Abriß drohte. Es gab Probleme mit Drogenhandel und Prostitution. Erst ab 1998 stieg die Wohnqualität wieder. Mit der einsetzenden Gentrifizierung wurde der Drogenhandel von hier in andere Stadtteile vertrieben. Nur die Ärmsten der Prostituierten am Hansaplatz und um den Bahnhof herum sind geblieben. Die Lange Reihe ist frei von ihnen, Sperrgebiet eben. Man wird auch nicht wegen „Schnee“ angesprochen.

Blaue Linien

Vor ein paar Jahren waren plötzlich vor den Geschäften, die Stühle und Tische rausstellen wollten, auf den Bürgersteigen der Langen Reihe akkurat und sauber blaue Linien aufklebt. Bis hier hin und nicht weiter!

 

Das ging auch an ganz schmalen Stellen der eh nicht breiten Bürgersteige. Die nicht gerade wenigen Fußgänger laufen eben hintereinander.

Welch ein Unterschied zu den Krümelkackern in den Behörden der Berliner Bezirke. Wenn da Anwohner Baumscheiben mit Blumen bepflanzen, deuten die Idioten das schon als Gefahr für die Öffentlichkeit in der dreckigen Stadt. Natürlich wird das in jedem der 12. Bezirke in Berlin auch noch anders ausgelegt.

Frei Sein

Pflastermalerei

Da läuft seit Jahren eine Frau durch das Viertel - und beschreibt die quadratischen - und nur die - Gehwegplatten. In der Hand hat sie einen Buddeleimer, dadrinnen sind bunte Kreidestifte.

 

Sie schreibt immer nur in zwei Reihen je 4 Buchstaben. Jeder Buchstabe hat seine Farbe. Nur auf diesen Platten schreibt sie seit Jahren immer das gleich: FREI SEIN.

 

Spricht man sie höflich an, um dahinter zu kommen, was sie damit meint oder bezweckt, bekommt man keine Antwort. Sie richtet sich auf, geht ein paar Schritte weiter, beugt sich herunter und schreibt:

 

FREI SEIN.

 

Nach Regen hat sie besonders viel zu tun.

Mord

Auch Alfredo ist Portugiese, betrieb ein Italienisches Restaurant. Auch zu seinem Geschäft musste man 3 Stufen nach unten steigen wie bei vielen Läden hier. So um 2015 herum bekam er Besuch. Ein Türke. Chinchin hieß er im Kiez. Er war klein, dick und lief auch im Winter in kurzen Hosen und Badelatschen herum.

 

Sein letzten Besuch statte er dem Casa Alfredo am 30. September ab, um 23:00 Uhr. Er legte einen Revolver auf den Tisch und forderte 1000 €. 25.000 € hatte er schon erpresst und Alfredo könnte ja seine Töchter, sie seien ja nun alt genug, nebenan auf den Straßenstrich schicken, wenn das Geld nicht reicht.

 

Es kam zum Kampf und der Fette hatte eine Kugel im Kopf. Alfredo war eh am renoviere und betonierte die Leiche mit dem Gesicht nach unten im Nebenraum einfach ein. Aber die Leichenspürhunde der Polizei fanden sie.

Ein Jahr später sprach das Hamburger Landgericht Alfredo frei. Notwehr. Andere Gastronomen hatte die fiese Art der Mafia bestätigt. Der Clan des Erpressers konnte es nicht fassen und schlug den Gastwirt direkt vor dem Gericht erst mal zusammen.

Auf der Langen Reihe tauchten im Laufe der Zeit immer mehr gut gekleidete Herren mit dezenten Brillis im linken Ohr auf, begleitet von jungen Boys, die selbst im Winter kurzärmlige Buddy-Shirts tragen. Sie haben hier ihre Bars und Geschäfte, die an der richtigen Stelle ausgestopfte Unterhosen im Schaufenster haben. Es riecht an einigen Bars und Geschäften förmlich nach Geld.

Selbstmord

Ganz schön hoch hier.

Schräg gegenüber von Frau Möller wohnte ein ehemals viel beschäftigter Fotograf im Dachgeschoss eines vierstöckigen Hauses. Seine Aufnahmen erschienen in den großen Illustrierten.

 

Aber dann Anfang der nuller Jahre mit dem Aufkommen der Digitalfotografie bekam er keine Aüfträge mehr. Er zündete sein analoges Archiv dort oben an und sprang auf die Straße.

Hotels

Aber das auch in die Jahre gekommene ehrwürdige Hotel Senator am Anfang der Langen Reihe gehört nicht zu dieser Kette.

Lange gab es unzählige kleine und preiswerte Hotels in St. Georg. Oft wurden sie von den vielen Afghanen oder Iranern geführt, es leben ja viele von denen in Hamburg. Die Hotels waren druchweg in die Jahre gekommen, aber preiswert.

 

Die Hotels gibt es immer noch. Sie aber sind verdammt teuer geworden. Sie gehören jetzt zu einer Kette, deren junger Besitzer iranisch/afghanischer Herkunft eines nach dem anderen aufgekauft hat. Die Kette macht jetzt ca. 120 Mio. Umsatz und ist längst über St. Georg hinausgewachsen, hat aber hier noch ihren Sitz.

 

Mit Standorten in D, A, NL, H und Tschechien soll sie unter den Top 50 auf Platz 24 sein - doch keiner hat je eine Bilanz gesehen, sagt Wikipedia.

Geschäfte, Restaurants, Bars, Kneipen

Es ist nicht viel Platz in der Langen Reihe, St.Georg

Geschäfte

Aufmerksam auf das Hutgeschäft wurde man durch den schlanken Mann mit dem lila Zylinder, als er kurz über die Straße kam und im Casa Portugal sich ein Expresso holte.

 

Schön, das es solche Läden noch gibt. Der Gewürzhändler gerade rüber von Frau Möller musste leider vor langer Zeit schon schließen. Diese Läden machen den Charme der Langen Reihe aus.

 

Ein Glück: Für die üblichen großen Ketten sind die Läden viel zu klein. Die Musikalienhandlung im Souterrain neben an hat schon lange geschlossen.

„Chapeau“, es gibt noch einen Hutmacher auf St. Georg

Kufhaus Hamburg? Ist doch keine Anmaßung!

Aha! Bilderrahme sind also „Blendwerk“

Nordsee macht Süchtig

Na ja, ein Filialgeschäft ist schon da

Skurile Dinge gibt es auch zu kaufen

Kleidung hat es schwer auf der Langen Reihe

Und wer unbedingt eine Sitar braucht wird hier fündig

Was der Perser so braucht

Was? Hier gibt es nichts zu kaufen?

1000 Töpfe

Unweit von Frau Möller in Richtung Osten, vielleicht 3 oder 4 Häuser weiter, gab es bis 2009 ein kleines, gelbgestrichenes Kaufhaus. Hier gab es einfach alles, bestimmt auch 1000 Töpfe. Jetzt steht da ein fünfgeschossiges Wohnaus mit einem hypermodernen EDEKA-Laden.

Bis 2012 hielten sich noch zwei kleiner Läden mit gebrauchten Fotoartikeln. Vergebens wurde dort mal nach hochwertigen Linsen gesucht. Auf dem Bild nebenan ist die gelbe Leuchtreklame des letzten Geschäftes noch zu sehen.

 

Der Kietz und das Einkaufsverhalten hat sich halt geändert. Die Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation, die hier mal heruntergekommenen waren und preiswerten Wohnraum fanden, gibt es nicht mehr. Bezahlbare Mieten jetzt auch nicht mehr.

„1000 Töpfe“

Bäcker

Die beiden Bäckerein, spezialisiert auf Frühstück, liegen direkt am Markt

Caffes

Hier gibt es mehr als Cafe con Leche

Caffe Uhrlaub

Na, und Eis gibt es auch

Wirklich: ein schöner Tag

Was kommt jetzt hier rein?

Highlight in der Langen Reihe
Frau Möller

Und wer unbedingt eine Sitar braucht wird hier fündig

Urige Kiezkneipe

Bei Frau Möller treffen sich alle Leute aus dem Kiez. Viele junge Leute aus den Bildungseinrichtungen rundherum, Touristen, die die urige, gut gehende Kneipe durch Zufall finden. Es gehört schon Glück dazu, einen Platz zu ergattern.

 

Das Essen ist preiswert, eher Fastfood in großen Portionen. Die Soßen stehen auf dem Tisch, Kerzen brennt immer. Die Bedienung ist jung, meistens weiblich, wechselt oft und kommt schon mal aus dem Iran. Und die waren verblüfft, als sie mal in ihrer Sprache angesprochen wurde. Die Bestellung wird an den Tresen und in die Küche gefunkt, die Rechnung stimmt immer. Der Chef aus Fernost hat den Laden im Griff.

 

Früher war das hier ein Teppichgeschäft und die hatten einen Hund und der hieß „Frau Möller“.

Kirchenallee, östlich des Hauptbahnhofes, die Grenze von St.Georg

Kioske

Der Lieblingsladen: Casa Portugal

Genau wie das kleine „Casa Portugal“, wo an schmalen Holztischen Vino Verde zu Schinken und Käse aus ihrem Land reicht, gab es viele Portugiesen. Einst kamen sie als Gastarbeiter und fanden in St. Georg bezahlbaren Wohnraum.

 

Jetzt sind sie in Rente, die Partner weggestorben und nun gehen sie zurück in die Wärme, wie einer sagte. Hier tranken sie ihren Caffee, ein Bier oder Wein, knobelten mal, vertrieben sich die Zeit.

Gleich nebenan