BERLIN - MITTE
  Berlin

48

/ 82
Alles Mitte, oder was?
Vom Schloss Bellevue zum Hackeschen Markt
Nördlich des Straßenzuges 17. Juni/ Unter den Linden
Schloss Monbijou

Schloss Monbijou

Das Schloss Monbijou auf einem 

Gemälde von 1740 (aus Wikipedia)

Manche Dinge gehen einfach schief und dann richtig und für immer. In diesem Schloss soll nie ein Bewohner so richtig glücklich geworden sein. Dabei heißt Monbijou doch „Mein Juwel".


Das Gelände zwischen der Spree und der heutigen Oranienburger Straße diente Ende des 16. Jahrhunderts den Kurfürsten als Garten. Nachdem der 30-jährige Krieg und die Pest die Bevölkerung Berlins auf nur noch 6.000 Bewohner hat schrumpfen lassen, verwilderte er. 1670 bekam die Kurfürstin Dorothea ihn geschenkt.


Die Kurfürstin Sophia Charlotte erhielt ihn 1689. Als sie starb, ging der Garten wieder an eine Frau. Es war die Ehefrau des Staatsministers Graf von Wartenberg am Hofe des Königs Friedrich I. Sie ließ sich von dem Architekten Eosander von Goethe ein kleines Lustschloss entwerfen, die Keimzelle des späteren Schlosses Monbijou.


Die Planungen begannen 1703 und das hübsche Haus war 1710 fertig, in dem Jahr, in dem der Gemahl am Hofe in Ungnade fiel. So geht es Günstlingen wohl häufig. Sie verkaufte es an König Friedrich I., dem "Soldatenkönig" und der schenkte es der damaligen Kronprinzessin Sophia Dorothea, die er später heiratete. Als Königin erweiterte sie Park und Schloss und gibt beiden den Namen "Mein Juwel", Monbijou.


Gar nicht preussisch-sparsam ging es nun zu: ein Springbrunnen, der seine Energie von im Kreis laufenden Pferden erhielt, Laubengänge, ein japanisches Lusthaus und ein römisches Bad zeugten von einer gewissen höfischen Pracht.


Als Sophia Dorothea starb, blieb das einstöckige Schloss lange Jahre leer stehen, bis die Russen kamen und sich tief ins Gedächtnis der Berliner negativ einschrieben; bei einigen bis heute. 1717 besuchte Zar Peter I. Berlin und wählte sich mit seinem Gefolge das zentral liegende Schloss als Quartier. Die Russen haben so wüst darin gehaust, dass das gesamte Innere des Schlosses komplett wieder neu ausgebaut werden musste. So sind die Russen den Berlinern auch in Erinnerung geblieben, auch wenn das Desaster mehr als 300 Jahre zurückliegt. Jedenfalls hinterließen sie bleibende Eindrücke. Alle Dienstmädchen, Wäscherinnen und Köchinnen hatten dicke Bäuche.


Im Auftrag von Friedrich II. erweiterte Knobelsdorff das Schloss für des Königs Mutter. Nach deren Tod stand das schmucke Anwesen mehr als 3 Jahrzehnte leer. Bis Friedrich Wilhelm II. seine 2. Frau, Frederike Louise, hier hin regelrecht abschob. Die Winter lebte sie in Monbijou und die Sommer im Schloss in Niederschönhausen. Noch eine Frau, noch kein Glück auf Monbijou.

Restliche originale Bebauung am Park: Monbijoustraße 4

1819, am 25. April, wird im Tanzsaal des Schlosses eine musikalische Bearbeitung der Schlüsselszenen von Goethes Faust aufgeführt. Sie gilt als die Uraufführung. 


Ende des Jahrhunderts machen die Hohenzollern ein Museum aus dem Schloss und stellen Möbel und Bilder aus.


Im Zweiten Weltkrieg wird, als eine Bombardierung der Stadt immer wahrscheinlicher wird, zwischen 1941 und 1943 mitten im Park einer der schweren Bunker gebaut. Er wird nie richtig fertig, rettet aber den Menschen der Umgebung das Leben. Das Schloss wird von einer Bombe getroffen, aber nicht so schwer beschädigt wie das Stadtschloss. 


Trotzdem beschließen die Idioten der DDR-Führung 1960 den Abriss des Schlosses. Ihre Ästhetik beim Bauen reichte nur für Plattenbauten.

So liest sich konkrete Geschichte im Kleinen erlebt und erzählen. Geschichte mit Oma erlebbar macht auch das Geschichte Quiz auf der Website erklaer-es-oma.de. Überhaupt sollte erlebte Geschichte eine größere Rolle in den Schulen spielen, denn vieles was wir heute um uns herum sehen, wird durch den Blick in die Historie viel spannender und bekommt einen neuen Sinn.

Nach dem Krieg stand nur noch die Fassade von einem Nebengebäude, parallel zur Oranienburger Straße bis an die Monbijoustraße heran. Die Mauer aus roten Backsteinen wurde gekrönt von einem kleinen Fensteraufbau im 3., dem obersten Stock. Da drinnen hing eine kleine Glocke. Sinnlos, weil niemand mehr herankam, sie zu läuten. Sie war vom Fenster aus der Krausnickstraße 24 zu sehen.

Die Monbijoustraße ist von der Kreuzung Oranienburger Ecke Krausnickstraße bis zur Spree gerade mal 220 m lang.
Monbijoustraße
Ehem. Hofbeamtenhaus, Monbijoustraße 4

Die Aufnahme ist zwar vom Dezember 2006, strahlt aber noch das Flair der untergegangenen DDR aus. Da gab es wirklich nicht einen einzigen Farbtupfer in der gesamten Oranienburger Straße.


Es ist das unter Denkmalschutz stehende Hofbeamtenhaus. Es wurde 1911/1912 gebaut. Ein Wunder, dass es den 2. Weltkrieg überstanden hat. Stand doch gleich nebenan im Monbijupark ein nicht fertig gewordener Bunker, der allen hier das Leben gerettet hat. Anfang der 50er Jahre bissen sich russische Sprengmeister an dem Ding die Zähne aus.

Ehem. Haupttelegrafenamt (HTA), Monbijoustraße 1
Dez .2006
Das ehemalige Haupttelegrafenamt
Telegramme Annahme
Dez. 2006
 Vorne im Bild die Oranienburger Straße mit dem Haupteingang des HTA mit der Hausnummer 73-76, die Nordseite. Nie nach dem 2. Weltkrieg sah dieses düstere Gebäude anders aus, grau und düster.
 
Links auf dem Bild oben die Ostseite des HTA firmiert als Monbijoustraße 1.

Von der Eröffnung des monumentalen Gebäudes 1916 bis 1992 diente es als Telegrafenamt. Im Kellergeschoss war eine der größten Rohrpostanlagen der Welt untergebracht. 

Das Rohrpostnetz wuchs bis 1940 auf eine Länge bis 400 km an. Es beförderte bis zu 8 Millionen Sendungen im Jahr. Telegramme, Briefe bis 20 gr. und Postkarten konnten so schnell und ohne Personalaufwand zwischen 79 Postämtern in Berlin befördert werden. Die Anlage war bis 1986 in Ostberlin in Betrieb.
steht über der Tür des Haupteingang des ehem. Haupttelegrafenamtes in der Oranienburger Straße 73-76.
Aug. 2007
Die Ostseite des ehemalige Haupttelegrafenamt Monbijoustraße 1
Aug. 2007
Aug. 2007
Die Südseite des ehemaligen Haupttelegrafenamtes Monbijoustraße 1 Ecke Ziegelstraße
März 2020
13 Jahre später
Dez. 2004
Komplex der ehemaligen Reichspost
Zwischen Oraninebuger-, Monbijou-, Tucholskystraße und der Spree
Forum an der Museumsinsel
Oranienburger Straße
Krausnickstraße
Tucholskystraße
Hauiielegrafenamt
Fernsprechamt
Monbijoustraße
Ziegelstraße
Ehemaliges Fernsprechamt, Haupttelegrafenamt, Logenhaus
Mai 2021
Ernst Freiberger, Bäckerssohn aus Bayern, entwickelt das Forum an der Museumsinsel und die ehemalige  Frauenklinik der Charité, quasi alle Gebäude zwischen Spree und Oranienburg Strasse, zwischen Tuchholsky- und Monbijoustraße.

Ein paar Kleinigkeiten gehören schön noch dazu. Die Humboldtmühle in Tegel, das Bürogebäude im Spreebogen (1999-2015 Sitz des Bundesinnenministerium), 13 Fachkliniken, usw.
Die Südseite des ehemalige Haupttelegrafenamt Monbijoustraße 1, Ecke Ziegelstraße.Wird jetzt jetzt gebaut. Ob das nach der Coronakrise noch gebraucht wird?
Ziegelstraße
Vielleicht bricht ja die Coronakrise auch Spekulanten mal das Genick. Dieser ganze Komplex zwischen Tuchosky-, Oranienburger-, Monbijoustraße und Spree riecht förmlich nach Spekulation. Und das es spekulativ ist, ist an der Bebauung des ehemaligen Pakethofes zu sehen. Da werden noch zwei große Pavillons hingebaut. Hätten die benötigten Räume nicht in den riesigen Baukörpern untergebracht werden können? Plätze machen eine Stadt aus, nicht größtmögliche Rendite.

Nach der Wende fiel der gesamte Komplex einschließlich des Fernmeldeamtes an der Tucholskystraße an die Deutsche Telekom. Die schaltete 1992 jede Technik ab und gab die ziemlich heruntergekommenen Gebäude weiter an ihre Tochter DeTeImmobilien (jetzt STRABAG). 

DeTeImmobilien verkaufte alles 2001 an Investoren, wie es hieß. Und dann geschah natürlich erst mal nichts. Üblich, der Wert kann ja steigen!
Die Ziegelstraße ist die einzige Nebenstraße der Monbijoustraße. Sie überquert die Tucholskystraße und mündet in der Friedrichstraße. Es ist eine uralte Gasse, die es seit 1698 schon an dieser Stelle gibt. Den Namen hat sie von der Ziegelei, die mal hier am Ufer der Spree stand. Sie ist schmal. Da sie von Ost nach West verläuft und die Bebauung hoch ist, kommt hier nie ein Sonnenstrahl her. Der Osten hatte nichts an den grauen Fassaden gemacht und so wirkte sie damals noch düsterer und leerer.
August 2007
Nordseite
Das Haus wurde 1925 bis 1927 im reinsten Bauhausstil erbaut. Art Déco-Expressionismus. Die Charité-Frauenklinik nutzte es. Der Autor kann sich zwar nicht direkt daran erinnern, aber er ist in dem Haus geboren.

Jetzt nennt es sich „Das Bauhaus“ und wurde gerade denkmalgerecht vom Architekten Sir David Chipperfield (und Patzschke & Partner) wieder als Teil des „Forum an der Museumsinsel“ hergerichtet.
April 2020
Südseite
März 2020
Ostseite
Ehemaliges Fernsprechamt
Ehemaliges Fernsprechamt
Mai 2021
1981: 260.000 Telefone
Dieses Bauwerk dominiert den südlichen Teil der Tucholskystraße. Für heutige Berliner Verhältnisse unvorstellbar, wurde der Art-déko-Bau in nur 2 Jahren (1926-1927) aus gebrannten Klinker hochgezogen.
Mai 2021
Hofeinfahrt
Mai 2021
Haupttelegrafenamt, Westseite
März 2020
Ostseite
Monbijouhaus, Monbijoustraße 2
März 2020

Das Monbijouhaus gehörte ebenfalls zur Charité-Frauenklinik. Es wurde 1902 bis 1906 im strengen Stile des Neobarock erbaut. Der jetzige Name „Residenz Monbijou“ und die einmalige Lage deutet auf etwas teuere Kauf- oder Mietpreise hin - wahrscheinlich mit die höchsten in Berlin.

Südseite zur Spree hin. Wie schön müssen im  Monbijouhaus die Räume sein. 


Wie kann man so einen soliden Bau aus dem Besitz der Stadt Berlin an Privat verkaufen? Für einen Appel und ein Ei? Kauft die Stadt das mal wieder für den 10-fachen Preis zurück? Man ist doch  sehr misstrauisch geworden, das Vertrauen in die Politik ist verloren.

Ostseite des gewaltigen Baukörpers
Mai 2021
Simon Palais, Monbijoustraße 2a
März 2020
April 2020

Das nebenan liegende Ida-Simon-Haus ist dagegen im wilhelminischen Neobarock von 1909 bis 1911 erbaut worden. Hier wurden die wohlhabenden Damen der „besseren Gesellschaft“ von der Charité-Frauenklinik in der Ziegelstraße behandelt, eine Privatklinik sozusagen.


Ursprünglich war es dreigeschossig und wurde nach 1945 um ein 4. Geschoss erweitert. Heute nennt es sich Simon Palais - bei der Lage natürlich ebenfalls für die „besseren Gesellschaft“.
Januar 2012

Literaturverzeichnis Berlin