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Golfito

Die Wolke ist so etwas wie das Wahrzeichen von Golfito. Sie ist über dem Golfo Dulche in in der Trockenzeit immer da. Der Golf enthlält viel Süßwasser (dulche). Vielleicht ist da die Verdunstung eine andere als über Salzwasser.

Golfito - der kleine Golf

Irgendwie stand Golfito immer auf dem Plan. Kam Sehnsucht oder Fernweh im grauen Winter zuhause auf, fiel immer dieses kleine Nest hinter dem versandeten Golfo Dulche ein, als Inbegriff der Tropen.

 

Golfito, da schwingen Erinnerungen an die vielen verschlungenen Südseeromane u.a. von Somerset Maugham, Jack Londen, Robert L. Stevensen, Friedrich Gerstäcker, Hermann Melville mit.

 

Über diesem kleinen Nest mit nicht mal 1.700  Einwohnern liegt so etwas wie der Grauschleier der Tropen. Alles befindet sich in einem anderen Stadium des Zerfalls. Farbe blättert ab, Holz verrottet, was rosten kann verrostet mit erstaunlicher Geschwindigkeit vor sich hin.

 

Keiner unternimmmt was dagegen - es ist halt so. In der Hitze sind kaum Leute zu sehen. Das Leben steht einfach still und schaut zu wie alles verkommt. Und doch hat Golfito einen besonderen, schwer erklärbaren Charme.

Auf der einen Seite der einzigen Straße im südlichen Teil Golfitos das Wasser und auf der anderen ein kleines Küstengebirge mit immergrünem Regenwald. (2016)

Die Küstenstraße 2016

Da gehört aber Mut oder Verzweiflung dazu, hier ein Zimmer zu rmieten. Gerne auch stundenweise. Die Versorgung kommt ans Haus. Die Auslastung soll ja gut sein: Mit mehreren hundert Ratten ist zu rechnen. Aber, keine Amgst, es gibt auch gute Restaurants und gute Hotels in Golfito - sagt man. (2005)

2013

2016

Zufall, diese beiden Aufnahmen. Aber viel passiert hier wirklich nicht.

Straße der Verdammnis? Nur ein paar Meter vom schönen Golf. (2005)

Hier vorne ist der kleine Golf, Golfito eben. Die Wolken liegen über dem Golfo Dulche (2006).

Golfito - Geschichte

Bananenstaude im Giftsack (2005)

Golfito wurde wegen einer Krankheiten gegründet, wegen der Krankheit der Bananen.

 

Als die United Fruit Companie (heute die genau so umstrittene Chiquita Brands International) merkte, dass ihre Plantagen in Honduras und am Atlantik mit der Bananensorte Madi Grass durch Krankheit keinen Gewinn mehr abwarfen, wollten sie hier in der dünn besiedelten Gegend neu anfangen. Von hier aus lies sich auch die Westküste der USA auch besser versorgen.

 

In den zwanziger Jahren gegründet, kam Golfito durch die United Fruit Companie (UFC) Mitte der dreißiger Jahre durch die Bananenplantagen den Aufschwung. Sie bauten den Bananen-Pier und rund 90 km Eisenbahn. Golfito wurde der größte Hafen im Süden Costa Ricas.

 

Die Eisenbahn, die Schienen und die Schwellen wurden aus Honduras herangeschafft, weil sie dort nicht mehr gebraucht wurden.

 

Nördlich des Hafens entstanden in großzügigen  Gartenanlagen die weißen Häusern, das Wohnviertel der Amerikaner. Die Unterkünfte der Arbeiter um den Hafen waren bezeichnender Weise grau. So ist Golfito heute noch gegliedert.

 

Bis 1970 machte die UFC gute Gewinne. Dann waren die Böden ausgelaugt. 1984 waren dann soziale Standards gefragt für die ziemlich übel behandelte Arbeiterschaft. Als die Arbeiter streikten beendeten die Amerikaner den Bananenanbau abrupt.

 

Eine Plantage war noch 2005 in dem Dreieck Ciudad Nelly - Zancludo-Golfito zu finden, wo die giftigen krummen Dinger per Kühllaster abgeholt wurden.

 

Aber Arbeitsplätze blieben in der Region rar. Da kam 1986 die Regierung auf die glorreiche Idee, eine Freihandelszone  „Deposito Libre Comercial“ einzurichten, einzigartig im Lande. Seit 1990 kann man hier für 2 x 1000 US $ im Jahr  steuerbegünstigt  einkaufen.

 

Man hat sich auch was ausgedacht, dass die Ticos (seltner Ausländer) über Nacht in der Stadt bleiben müssen. Am ersten Tag muss man sich eine „Trajeta de  Autorizacion de Compra“ - TAC holen und erst am 2. Tag darf man alles einkaufen was man sowieso nicht braucht.

 

Der Compound ist von einer hohen Mauer mit Stacheldraht umgeben. Wie eine Insel, vom Verkehr umrundet, nördlich vom Hafen, nicht zu übersehen.

Golfito - Wetter

Golfito gehört zu den nassensden Ecken der Erde. Trocken, von kleinen Schauern abgesehen, ist es hier nur von Januar bis März. Der meiste Regen fällt im Oktober: bis zu 5,20 Meter/Quadratmeter. Wer das noch nicht erlebt hat…

Fisher man

Fisher man´s home?

Bastelobjekt

Golfito - Bananenbahn

Die Tropen fressen alles auf

In hundert Jahren ist alles vorbei…

Golfito - Hafen

Der „Banana Pier“ von Golfito (2013)

Eigentlich waren die Bilder von den Schiffen nicht geplant. Aber was sich da so alles exotisches im Archiv angesammelt hat, ist schon ziemlich bemerkenswert und macht Golfito erst interessant.

Yacht Express

Das war schon ein seltsamer Anblick am 20. Februar 2015, dort in

der Hafenbucht von Golfito: Ein Schiff, auf dem Schiffe schwimmen! Die Yacht Express ist ein Schwertransportschiff, ausgeführt als Halbtaucher, einzigartig auf der Welt.

 

Das Schiff ist 209 m lange und 32 m breit. Der Tiefgang des 17.951 BRZ beträgt nur knapp 6 m und eignet sich damit für flache, versandete Häfen und Buchten wie Golfito.

 

Die Yacht Express lief am 19. Januar 2007 in China vom Stapel und fährt für die niederländische Reederei Dockwise Shipping B.V. unter der Flagge von Curaçao.

 

Sie verdient ihr Geld mit dem Transport von Schiffen der Luxusklasse der Superreichen.

Yacht Express, ein Halbtaucher

Am 4. Januar 2018 lief auf N24 eine Dokumentation über dieses Schiff. Es ist noch immer das Einzige auf der Welt. Es lag im Hafen von Ft. Lauderdale, Florida. Es sollte 8 große Motoryachten nach Genua bringen, die dort im Sommer verchartert werden sollten. Im Winter sind sie dann wieder in der Caribe.

 

Die Yachten waren so groß, dass man dachte, sie können ohne weiteres den Atlantik überqueren. Sie waren zusammen mit 188 Mio. US $ versichert. Pro Boot kostet die Überfahr auf der Yacht Express 300.000 US $, gerade mal die Charter für eine Woche (natürlich ohne Frühstück!?). Zwischen 8 und 12 Mann Besatzung inklusive, mit Koch versteht sich.

 

Die Yacht Express senkte sich ab, die Heckklappe wurde geöffnet und die Yachten fuhren mit eigener Kraft vorsichtig hinein. An die 10 Berufstaucher platzierten in vielen Stunden Holzblöcke unter den Kielen. Die Heckklappe schloß sich, das Wasser wurde abgepumpt. Dicke, im Schiffsboden verankerte Stahlstreben sicherten die Yachten seitlich ab.

 

Während der 24 Stunden dauernden Verladearbeiten verließ ein großes Containerschiff den Hafen. Dessen Kapitän und der Lotse wurden gebeten, ganz langsam zu fahren. Trotzdem war der Sog so groß, dass die Yacht Express um einen Meter absackte, zu einem Zeitpunkt, als die acht Yachten noch nicht komplett verankert waren.

 

Das Entladen in Genua ging schneller. Stahlstreben abbauen, Wasser rein, Heckluke auf und die Yachten fuhren hinaus.

Die Yacht Express ist ein Schwertransportschiff, ausgeführt als Halbtaucher, einzigartig auf der Welt.

STS Tenacious

Wieder liegt ein exotisches Schiff im exotischen Hafen am Ende der Welt. Es ist die „STS Tenacious“ (Sail Trainings Ship) mit Heimathafen Southampton, UK. Es ist mit 65 m Länge (Lüa) das größte Schiff aus Holz in Fahrt. Seit 100 Jahren wurde kein so großes Schiff aus Holz mehr gebaut.

Es lief im Februar 2000 vom Stapel und weist viele Besonderheiten auf. Als Bark mit Jubiläumsrigg getakelt, tragen die 3 Masten 21 Segel (10 Rah-, 8 Stag- und 3 Besansegel) mit 1.217 qm Fläche. Es läuft 11,5 kn. 10 Mann bilden die Stammbesatzung und 40 Trainees fahren mit.

 

Der ganze Segler ist für die 40 Trainees ausgelegt. 20 davon sind körperlich behindert. Auch Rollstuhlfahrer sind an Bord. Es sind Aufzüge eingebaut, es gibt flache Decks, einen sprechenden Kompass für Blinde, Vibrationsalarm für schlecht Hörende und einen großen Radarschirm für schlecht sehende.

 

Man stelle sich vor, was es für die Leute bedeutet, kurz vor Panama so einen verwunschenen Hafen im Ostpazifik anzulaufen, dessen Namen sie wohl kaum vorher gehört hatten: Golfito. (2016)

„STS Tenacious“ (Sail Trainings Ship)

Das größte Schiff aus Holz in Fahrt

Los Roques

Der Trawler „Los Roques“ ist 65 m lang und 13 m breit und verdrängt 1270 t. Das Schiff wurde 1977 gebaut und fährt für Venezuela. Der Heimathafen schein Port Colon in Panama zu sein. Warum er hier in Golfito am Kai liegt, war nicht auszumachen. Eine Infrastruktur für Fischfang gibt es hier nicht. Vielleicht hatte er Probleme mit den überlangen Netzen. (2016)

Trawler „Los Roques“

Pacific Explora

Das knapp 55 m lange und 11,64 m breite Schiff fährt unter der Flagge von Honduras (Heimathafen San Lorenzo) als kleiner Kreuzfahrer. Es wurde 1970 gebaut und sieht doch etwas altmodisch aus. Egal, es schwimmt. Mit einem Tiefgang von nur 3 m  macht der Dampfer nicht gerade einen hochseefesten Eindruck. Die Höchst- und Reisegeschwindigkeit: 7,9/7,3 kn. (2005)

So richtig Lust, mit dem Ding auf den Pazifik rauszufahren, hatte ich nicht!

Sea Royal

Die Sea Royal ist nicht im Schiffsregister zu finden. Ob das was mit der hier zusehenden Schräglage zu tun hat? Schließlich gibt es vor der Westküste Mittelamerikas viele Felsenriffe. Da sind schon ganz andere Schiffe aufgelaufen. Das Bild ist immerhin von 2006,

Kommt schon mal vor das hier im Lande etwas schief ist

Adios Golfito!

Gleich hinter der oben erwänten Freihandelszone gibt es einen unbefestigten Weg, der, vorbei am Regenwald der Österreicher, zur Panamerikaner führt. Er ist nur in der Trockenzeit einiger Maßen mit einem 4-Wheel-Drive befahrbar. Im ersten Teil führt er durch immergrünen Regenwald. Es ist eine der schönsten Strecken, die man in Costa Rica finden kann.

Gut zu fahren - wenn es nicht regnet

Kein Schwein fährt nach Zancudo

Wirklich: Kein Schwein fährt nach Zancudo! Irgendwo in der Nähe muss das Ende der Welt sein. Hier fährt nur hin wer nicht ganz dicht oder Tico ist und seinen Müll abladen will.

 

Weder auf Landkarten noch bei Google Earth sind durchgehende Wege an den Golfe Dulce, nach Zancudo, eingezeichnet, wenn man von der panamaischen Grenze kommt.

 

Eigentlich ist Zancudo gar kein richtiger Ort. Am vollkommen flachen Strand schließ sich ein Streifen mit Palmen an, der zum parallel verlaufenden endlosen Weg eingezäunt ist. Findet mal eine Lücke im Zaun, kommt man aus dem Staunen nich heraus.

 

Alles, was ein Tico so im letzten Jahr wegwerfen wollte, bringt er hierher mit und kippt es im Schatten der Palmen aus. An den Wochenenden sitzen mittendrin die Familien - es gibt ja sonst kein Schatten - und grillen. Natürlich bleibt jeder Abfall auch liegen. Sagen wir mal so: Das Umweltbewusstsein der Ticos ist nicht besonders hoch entwickelt.

 

Ach ja, eine Polizeistation mit zwei Polizisten gibt es auch. Sie haben den langweiligsten Job der Welt. Wenn sie klug sind und leben wollen, schauen sie einfach weg wenn irgendwo würziger Geruch aus Selbstgedrehten aufsteigt…

Am flachen Strand von Zancudo. Am Horizont Golfito (der kleine Golf)

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