November  2006
April 2015
April 2015
Februar 2019
BERLIN - MITTE
  Berlin 
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Von der Siegessäule zum Fernsehturm
Alles Mitte, oder was?
Friedrichswerdersche Kirche
Februar 2018
Historie
Die Kirche um 1760(aus Wikipedia, Werk ist gemeinfrei)
Als Friedrichswerder 1662 gegründet wurde, gab es jahrzehntelang keine Kirche. Die Gottesdienste fanden im Jahre 1672 im Werderschen Rathaus statt. Erst 1699 stellte Kurfürst Friedrich III. sein Reithaus am Werderschen Markt zur Verfügung. Dieser Marstall wurde schon 1648 gebaut und war 17 m breit und immerhin 80 m lang.

1701 wurde dieses Gebäude zur Doppelkirche umgebaut. Doppelkirche? Sie wurde einfach in der Mitte geteilt. So hatten sowohl die deutschen (Lutheraner) als auch die französischen (Hugenotten) Reformierten Platz für ihre Gottesdienste. Da standen die Altare Rücken an Rücken getrennt nur durch eine Wand. Pragmatisch, wie sie im sparsamen Preußen waren, gab es um 1706 einen kleinen Turm auf die Mitte des Daches. Es dauerte noch bis 1801, bis ein Glockenturm errichtet wurde. 

Am 25. Juli 1824 fand der letzte Gottesdienst in der Doppelkirche statt.
Blick vom Lustgarten auf die Kirche
Oktober 2010
Friedrichswerder?
Friedrichswerder war 1662 eine eigenständige Stadt im Westteil der Doppelstadt Berlin-Kölln. Ab 1710 wurde sie in die preußische Residenzstadt Berlin eingemeindet. Der Name ist auf den Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm zurückzuführen.

Um 1727 wurde Friedrichswerder in zwei Teile gegliedert.
In das Gertraudenviertel und in das Scheunenviertel. Diese historischen Stadtteile haben sich selbst für geborene Berliner ziemlich verwischt. Wer nicht gerade da wohnt, kennt sie kaum noch, kann sie kaum lokalisieren, kennt maximal ihren Namen. Und die haben nicht einmal einen eigenen Eintrag in Wikipedia.

Friedrichswerder schien nur aus 19 Straßen bestanden zu haben. Im Osten vom linken Spreeufer reichte es ungefähr bis zur Humboldt-Uni im Westen und von der Dorotheenstraße im Norden zum Spittelmarkt.
April 2015
Irgendwie war es nach dem Abriss des DDR-Außenministeriums schön, eines der Hauptwerke Schinkels quer über den Lustgarten und der Schloßbrücke (sie schreibt sich ja so!) sehen zu können. Aber die vielen Kräne ließen Arges ahnen. Dass es so schlimm kommen wird, hat keiner  erwartet.
April 2015
Blick aus Richtung Lustgarten auf die Kirche
Dezember 2015
Planung
Ein Vorschlag für eine neue Kirche wurde 1820 von einem Archäologen Aloys Hirt unterbreitet. Karl Friedrich Schinkel legte 1821 einen Gegenentwurf vor. Danach sollte dieser erste Entwurf die Form eines römischen Tempels haben.

Weitere Vorschläge legte er 1822 und 1823 vor. Im März 1824 entschied der Hof, dass eine Kirche im Stile des Mittelalters entstehen sollte. Schinkel hatte das Kirchenschiff mit vier Türmen geplant und er soll sehr enttäuscht gewesen sein, als ihm die beiden Türme im Norden auf dem flachen Dach aus Sparsamkeitsgründen gestrichen wurden.

Schinkel wollte
„…dem Gebäude den Charakter englischer Chapels zu geben, worin einige große Verhältnisse wirken und das ganze sich eng zusammenschließt.“
So entstand ein schmaler und hoher, einschiffiger Saalbau mit einem großen Fenster an der Front und den beiden übrig gebliebenen Türmen. Im Äußeren lässt sich eine Ähnlichkeit mit der Londoner Westminster Abbey erkennen, während das Innere sich an die Marienburg anzulehnen scheint.
Blick vom Lustgarten auf die Kirche
August 2018
Bau
Nach 300 Jahren entstand erstmals wieder ein großes Bauwerk in Ziegelbauweise. Es war die erste neogotische Kirche Berlins in der märkischen Backsteintradition. Der Bau galt als Vorbild für viele weitere Kirchen in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Der Grundstein wurde 1824 gelegt und die Weihe fand am 10. Juni 1831 statt.

Der Altar war mit Bildern von Begas und Schadow reich geschmückt. Sie gingen bei einem Bombenangriff am 29. April 1945 für immer verloren - 7 Tage vor Kriegsende.
Februar 2019
Was da mal was?
Mai 2020
Materialien
Was Schinkels Bau so einzigartig macht ist die hervorragende Qualität der außen verwendeten Materialien. Die Tonwarenfabrik von T. Feilner aus Berlin brannte nicht nur die Mauerstein, die fast wie Marmor ausschauen, sondern auch die Modelle der Figuren. So auch den Erzengel Michael über dem Portal (Bild unten).

Dafür wurde im Innenausbau einiges eingespart. Die Wände dort wurden ja eh verputzt.
Februar 2018
Außergewöhnlich schöne Klinker
Desaster
Wirklich, die wollten noch höher bauen!
Mai 2016
Renditegeile Investoren und Architekten mit einem Tausendstel des Verstandes Schinkels brachten die Kirche fast zum Einsturz.

Wie sonst kann der Boden 3,50 m neben der Kirche von 1830 bei Schachtarbeiten nachgeben und sie fast zerstören? Wieso kam Schinkel damals mit dem bekannt schwierigen Untergrund klar? Wo war die Bauaufsicht des Senats?

Diesen hässlichen, auf die Umgebung nicht Rücksicht nehmende, die Kirche verschattenden Bauten dann auch noch großkotzig „Kronprinzengärten“ zu nennen, zeugt von nichts weiter als Geldgier. Damit die Rendite stimmt, muss der Bau natürlich bis zu 7 Stockwerke hoch sein und über eine opulente Tiefgarage verfügen. So ein Penthouse kann man schon für 4,6 Millionen Euro haben, den Quadratmeter für nur 17.000 €. Natürlich mit mehreren Garagen für die Gäste pro „Loft“.  Was spielt da die olle Kirche nebenan schon für eine Rolle.

Die Friedrichswerdersche Kirche drohte 2012 einzustürzen. Risse im Mauerwerg und in der Gewölbedecke. Die großen Fensterrahmen sind verzogen, noch sind Arbeiten an der Tür und dem Fußboden nicht fertig. Es heißt, die Schäden seien nicht mehr rückgängig zu machen. Die Kirche aber sei standfest und sicher. Im Herbst 2020 soll sie wieder der Öffentlichkeit zugäugig sein.

Die Kosten - man spricht von 15 Millionen Euro - zur Behebung der Schäden werden vom Bauträger getragen.
Ohne dieses Gerüst wäre die Kirche eingestürzt
Vielleicht war das ja schon Absicht. Wie gewinnbringend hätte der Baugrund dann vermarktet werden können! Ob die Pandemie diesen Wahnsinn stoppen kann? Sehen Sie sich mal die überkandidelten Internetauftritte der Immobilienmakler an. Sie brauchen nur „Kronprinzengärten“ einzugeben.

Um klarzustellen: Nichts gegen Luxus! Aber so idiotisch „auf Kante genäht“ und ohne jedes Feeling für das bißchen Historie, das in Berlin noch übrig ist.
Gemälde von Carl Daniel Frydanck, 1839
(aus Wikipedia, Werk ist gemeinfrei)
Ob das Schinkel gefallen hätte? Oder sonst einem? Aber alles rächt sich. Viel Licht haben nur die Penthäuser. Unten gibt es viel Schatten! (aus Google Earth).
Schinkels Vorstellung
(aus Wikipedia, Werk ist gemeinfrei)
Juli 2016
Juli 2016
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Februar 2018
Mai 2020
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