Russland

Russland

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Königsberg

Tilsit

Kaliningrad

Wie sehr doch die billigen Plattenbauten der 50er Jahre hässlich altern. Da sind Risse über die ganze Fassade zugeschmiert ohne je neu verputzt oder gestrichen worden zu sein. Unvorstellbar verrottet!
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Das Oblast Kaliningrad sieht nicht nur aus wie von Gott verlassen, sondern es ist verlassen - von Russland. Kommt man durch die gepflegten Dörfer und über neue Straßen aus Polen an die an die russische Grenze, überfällt einem das kalte Grauen.
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Erinnerungen an die SBZ (Sowjetische Besatzungszone) vor 1972 kommen hoch - wenn man im Westen Berlins lebte. 100 € Visum (geil auf „Valuta“), Hund schnüffeln, Spiegel unter dem Bus, Glaskasten in der Halle, einzeln an die Klappe treten, Ohr zeigen, danach sammeln und gemeinsam zum Bus gehen, Hinterlandkontrollstation, noch mal Ausweise einsammeln, warten - zum kotzen (s. auch Tilsit). Nur richtige Diktaturen haben so etwas nötig.
Als ob der breiten Masse das Geld fehlt hier einzukaufen
Scheinbar ist die Handydichte überall auf der Welt gleich hoch
Wappen von Königsberg
Von der Grenze nach Königsberg ist es nicht weit. Aber wie zu gewuchert und verlassen ist die Landschaft? Na ja, man kann das fast schon wieder im Sinne der Natur schön finden.
 
Königsberg > Kaliningrad
 
Hatte das alte Königsberg, Hauptstadt von Ostpreußen, zum Schluss um die 2,5 Mio. Einwohner, kommt Kaliningrad nicht mal auf eine halbe Million - nur Russen. Wie ein Witz mutet an, dass sie eine Kogge der Hanse in Flagge und Wappen führen.
 
Seit der Unabhängigkeit der Baltischen Staaten ist die Oblast Kaliningrad nur noch eine Enklave Russlands. Was machen die eigentlich hier? Wie auf der Krim.
Russin
Wie ein Fremdkörper
Kriegsdenkmäler gibt es viele im Land
Die Häuser am Ufer der Pregel sind schön hergerichtet
Übrigens: Den Namen Kaliningrad kann hier kaum einer leiden und man denkt über eine Rückbenennung nach. Schließlich existiert der Name Königsberg (russisch: Kjonigsberg) seit 1255. Kalinin war ein 1946 verstorbenes sowjetisches Staatsoberhaupt, das keinerlei Beziehung zur Stadt hatte.
Königsberger Dom
Dom zu Königsberg
Englische Bomber zerstörten Ende August 1944 Königsberg fast ganz. Der Dom brannte aus. Bis auf den Dom ebneten die Sowjets alles ein, was irgendwie nach Preußen aussah. Kants Grab rettete die Außenmauern.
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Erst mit der Perestroika von 1992-1998 begannen die Arbeiten Wiederaufbau. Rechts im Bild, an der Nordwestecke, befindet sich das Grab von Kant.
Das Grab von Kant
Im Dezember 2018 wurde das Grab und das Denkmal mit Farbe beschmiert. Die Offiziellen hatten nach einer positiv verlaufen Internetumfrage erwogen, den Flughafen nach dem berühmtesten Sohn der Stadt umzubenennen. Klar, Kant ist ja auch erst 215 Jahre tot. Könnte ja ein Deutscher gewesen sein.
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Kremeltreue Rechtsextremisten spielen sich da auf. Zar Wladimir mag die - wie jeder „lupenreine Demokrat“.
Die Fassade in Backsteingotik des Königsberger Domes
Tilsit
Wo, verdammt, liegt Tilsit?
„Gänsefleisch mal den Gofferroom uffmache?“
Die Memel
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Blick nach Süden. Links Litauen, rechts Tilsit im Oblast Königsberg, Russland
Und die „Valuta“ brauchen. Man wurde aufgefordert, den „Intershop“ zu besuchen. Interessant wäre zu erfahren, welcher Unrechtstaat dieses System an der Grenze samt Shop zuerst hatte: Der große Bruder oder der kleine Spitzbart?
Ach, hier darf man gar nicht fotografieren?
Staaten, die Angst haben, dass ihnen das Volk davonläuft.
Grenzkontrolle Tilsit - Litauen
Da war er wieder, der Hass auf „sozialistische“ Staaten
Das haben doch nur Diktaturen und Schurkenstaaten nötig.
Tilsit? Tilsit gibt es nicht mehr. Das trostlose da heißt jetzt Sowetsk.
Achtung! Hier herrscht Zar Wladimir I.

Die Urbevölkerung wurde umgebracht, im besten Falle vertrieben oder nach Sibirien verbannt und durch Russen ersetzt. Alle Nachbarländer haben Angst. Wenn der Zar böse wird, oder er innenpolitisch noch weiter unter Druck gerät, dann schickt er kleine grüne Männchen ohne Hoheitsabzeichen wie auf der Krim. Er braucht das Land hier. Liegt doch für seine Raketen so schön weit westlich…

Was jetzt an der Grenze kommt, weckt für einen Berliner, der hunderte Male die glorreiche, ach so sozialische DDR durchqueren musste, beinahe heimatliche Gefühle. Dämlich aus dem Glaskasten blickende Frauen in militärischer Tarnkleidung, blick in die Augen, auf das Ohr, wieder in den Ausweis - all das, vor dem man jeden Respekt verloren hatte.
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 Was können die einem? Gut, 20 Minuten länger warten. Gerne hatten die das allerdings nicht wenn man dort mit dem dicken Fotoapparat herum marschierte.
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Was das negativste an diesem Grenzübergang war? Die fast schon devote Haltung der Mitreisenden, die damals die innerdeutsch Grenze nicht überqueren durften.
Aber hier hat doch auf ihrem Bittgang Königen Luise Napoleon getroffen! Nach ihr ist die Königin-Luise-Brücke doch benannt. Was geht mich da eure scheiß Grenze an?
Nur noch bei EDEKA an der Käsetheke? Der Ende des 15. Jhdt. entstandene Ort heißt jetzt Sowetsk im russischen Oblast Kaliningrad und liegt an der Grenze zu Litauen an der Memel. Das schönste an dem heruntergekommenen, von Moskau vergessenen Städtchen mit 40.000 Einwohnern? Hier kann man ganz schnell über die Königin-Luise-Brücke nach Litauen entkommen - falls die Muschpoken an der Grenze mit der Kontrolle mal fertig werden.