Afghanistan

Es war eines der schönsten Länder der Welt

Afghanistan
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Von Kabul aus in Richtung Westen

Girischt, Laschkagar, Qala Bost, Helmandtal und Kajaki

- der Südwesten Afghanistans
Die einzige grüne Gegend im Lande und das durch die Entwicklungshilfe der
Amerikaner in der Zeit zwischen 1940 und 1970. Straßenbau und die
Bewässerungsprojekte im Helmandtal hatten Afghanistan vollkommen verändert.

Natürlich haben die Russen auch Straßen gebaut. Allerdings auf unvorstellbare
60 Tonnen Last ausgelegt und nur von Norden nach Süden. Heute weiß man
warum - so langfristig plant der russische Bär, scheißegal ob das Land davon was
hatte. Aber zum warmen Meer, wie wohl ursprünglich mal geplant, hat es nicht
gereicht.

Fährt man 137 km von Kandahar Richtung Westen, erreicht man die Girischt. Hier
durchschneidet die Straße nach Herat das Helmandtal. Der Helmand ist der
längste Fluss des Landes. Er entspringt irgendwo im Hindukusch und versickert
nach 1150 km bei Sistan in der persischen Provinz Belutschistan in der Wüste.
Nach Süden geht es auf damals unbefestigten Straßen nach Lasckkagar und zu
den Ausgrabungsstätten nach Qala Bost.

Richtung Norden von Girischt aus geht es durch fruchtbares, weil bewässertes
Land, vorbei an vielen Bewässerungsgräben nach ca. 80 km zu einem kleinen
Staudamm bei Kajaki. Den mit Steinen aufgeschütteten Damm hatten die
Amerikaner gebaut. In deren ehemaligem Camp konnte man Häuser mieten und
der See und der Fluss war herrlich zum Baden und Angeln. Ein beliebtes
Ausflugsziel der Deutschen. Der Nachteil: knapp 700 km von Kabul weg! Man
kam also nur hin, wenn man in Kandahar zu tun hatte.

Girischt - der Eingang ins grüne Helmandtal

Aussichtsplattform am  Argandab
Das  Argandabtal ist dank der Bewässerungsanlagen der Amerikaner das grünste Stück Land on ganz Afghanistan

Laschkagar

Diese Aufnahmen entstanden im
September/Oktober 1979 auf
einer privaten Fahrt von Teheran
nach Peshawar. Zwei Monate
später okkupierten die Russen
das Land - lösten den ganzen
Schlamassel aus, gewannen
nichts...

Im ganzen Land war damals
schon eine gewisse Spannung zu
spüren. Viel Millitär war auf den
Straßen.

Das ist der echte "Höhepunkt"
dieses kleinen Ortes. Der Blick
hier geht nach Norden ins
Helmandtal, wie auch auf dem
Bild unten.

Auf den vielen Fahrten von Kabul
nach Herat wurde hier immer
gehalten, froh, den Motor mal
ausmachen zu können. Auf der
Rückfahrt nach Kabul nahmen
alle immer kistenweise
Granatäpfel mit.

Am besten waren die großen
Früchte, die schon aufgeplatzt
waren. Und wehe, es tropfte bei
Essen Saft auf die Kleidung. Die
Farbe ging nie wieder raus. Kann
man auch an manchen afghanischen Teppichen sehen. Das Granatapfelrot bleicht nie aus.
Bitte nicht stören
Das ist wohl die einzige Moschee, die die Amerikaner im Rahmen der Entwicklungshilfe je gebaut haben. Als sie mit dem Straßenbau hier begannen, haben sich Kleriker um 1960 durchgesetzt: Straßenbau nur wenn es die Moschee gibt - sagten meine Afghanen. Sie ist auch das einzig Sehenswerte in dem kleinen Städtchen.

Von hier aus koordinierten die Amis ihre Entwicklungshilfe. Vor allen Dingen für das Helmandtal. Große Bewässerungsprojekte machten das Tal zur grünsten Landschaft Afghanistans. So große Granatäpfel wie hier gibt es sonst nirgends. Jetzt gedeihen hier vor allen Dingen verbohrte Taliban und die Amerikaner sind gerade wieder am ernten. Hoffentlich mit Erfolg.

Etwas weiter südlich von Laschkagar endet der größte Fluss des Landes, der Helmand, in den noch der Arghandab mündet - wenn er Wasser hat, es nicht in Kandahar verbraucht wurde. Der Fluss versickert einfach in der Wüste. Auch der Helmand führt hier nur noch sehr wenig Wasser. Es wird ja weiter oben für die Landwirtschaft verbraucht.

Man fand in dieser Gegend viele alte, verlassene Ansiedlungen. Daraus schloß man, dass die Gegend einmal sehr fruchtbar gewesen sein muss, um die vielen Menschen ernähren zu können. So entstand das Helmandprojekt.
Laschkagar (engl. Lashkagar oder
Lashkar Gah, auf persisch soviel
wie "Milit.rstützpunkt") ist so
bedeutend, dass es nicht einmal
einen Artikel in der deutschen
Wikipedia gibt.

Das wäre wohl anders, wenn hier
nicht Truppen aus Amerika und
England, sondern deutsche
Soldaten kämpfen müssten.

Im 11. oder 12. Jahrhundert hieß der Ort Bost. Bost war lange Zeit die Hauptstadt der Provinz Helmand.

Laschkagar ist mächtig gewachsen, hat am Ostufer einen eigenen Flughafen (Bost) bekommen. Wieviel Menschen da leben, weiß, wie in Afghanistan üblich, keiner.

Qala Bost

Qala-e-Bost heißt es wohl richtiger, mit dem Suffex-e wie in Afghan-e-Stan, Land der Afghanen.
Franzosen haben hier ab 1941 gegraben und diesen 26 m hohen Eingangsbogen einer Moschee aus dem 11. Jahrhundert rekonstruiert, einer der wenigen Anziehungspunkte in der Gegend.

Wenn man einmal von der erodierten Lehmburg absieht. Es ist der Winterpalstast Mahmuds des Großen. Er lebte von 971-1030. Der berühmteste Sohn des Emir von Buchara war ein Ghaznawide und nannte sich Mahmud von Ghazni.

Ghaznewiden gehen auf türkische Sklaven zurück, die 962 gegen die Herrschaft der Sämäniden rebellierten und bis 1186 bis nach Indien Angst und Schrecken verbreiteten. Sie setzten sich in Ghazni fest. Die Ghaznewiden verbreiteten eigenartigerweise das iranische Erbe. Es waren ja eigentlich ihre ehemaligen Unterdrücker. Zwar brachten sie Afghanistan die erste Hochkultur, aber sie verbreiteten den Islam mit Feuer und Schwert oder noch mehr, um riesige Beutezüge im Namen irgendeiner Gottheit unternehmen zu können.

Alleine auf 17 blutigen Eroberungszügen scheffelte Mahmud unerhörten Reichtum im Nordwesten Indiens. Er zerstörte die indischen Götzenbilder und alle bildlichen Darstellungen menschlicher Gesichter und wohl auch das Gesicht des Buddahs von Bamyan. Jetzt haben total verblödete Taliban den ganzen Buddha gesprengt.

So, und nun gilt er als erster islamischer Reformator Indiens. Schön, nicht? In der Ecke da in Kaschmir schlagen sie sich heute noch die Köpfe ein. Wie schön könnten alle Völker auf der Erde leben, gäbe es keine Religionen.
Mahmud der Große im roten
Gewand schüttelz die Hand
eines Scheichs. Gemälde aus
einem Tehraner Museum
All die oft gewaltigen Bauten sind
aus dem einzigen Material errichtet,
das das Land hergibt: Aus Lehm
und Wasser geformte, an der Sonne
getrocknete Ziegel.

Wären die Anlagen gepflegt und
nicht über Jahrhunderte der Erosion
ausgesetzt worden, könnte man sie
heute noch nutzen.
Unheimlich war es bei Einbruch der
Dunkelheit zwischen den
verlassenen, uralten und dicken
Mauern. 

Der Wind heulte schauerlich. Fehlten nur noch Pferdegetrappel und
Schwerterklirren...

Betriebsausflug

An den Wochenenden, wenn man
echt nicht wußte, was man in
Kandahar anstellen konnte, machte
es Spaß, mit den Jungs in die
Umgebung zu fahren.






Nach Kabul konnten sie ja nicht.
Der Bus fuhr einen Tag hin und
einen zurück und Geld hatten sie
auch nicht.

Also alle rein in den VW-Bus,
Hadschi Mohamad - der zweite mit
den grünen Pluderhosen - war der
Fahrer.









Die anderen sind die Techniker, die
die Wähler der Telefonvermittlungsstelle in Kandahar wieder auf Vordermann
brachten.







Wichtig war die Trommel und das
Kleinkalibergewehr. Nicht, dass man es unbedingt brauchte. Es passte aber prima zum Tanz und den wilden Liedern.

Sie nahmen diese Ausflüge sehr
ernst. Jeder hatte seine beste
 Kleidung an. Auch waren sie noch nie an diesen geschichtsträchtigen Orten ihres Landes.





Eine Tschai-hona war natürlich
Pflicht. Ali Mohamad, der mit dem
weißen Hemd und Krawatte gehörte eigentlich nicht dazu.

Er war angestellt in der
Vermittlungsstelle und ein lustiger
Vogel.

Von Girischt nach Norden ins Helmandtal

Berauschend ist die Landschaft nicht. Dafür für afghanische Verhältnisse dicht besiedelt, von Natur keine Spur.

Die Wege ließen sich damals gut
befahren. Man zog nur eine
Staubwolke hinter sich her.

Es waren 80 km bis zum Ziel, dem
Staudamm und das spartanische
russische Camp, wo die
Staudammerbauer gelebt haben.

Immer wieder zogen sich Kanäle
parallel der Straße dahin und
mächtige Wehre und Schleusen
mussten überquert werden.

Sie regulieren das Helmandwasser,
was viel hundert Hektar Land
fruchtbar macht.

Kajaki

Dem Bild oben sieht man die mehr als 40°C nicht an. Kein Lüftchen regte sich, nichts bewegte sich. Nur das Murmeln des Helmand war zuhören. Man erwartete jeden Moment das Einsetzen getragener Filmmusik, wahlweise aus Karl-May-Filmen oder Westernmelodien. The Lonesome Cowboy reitet total verstaubt auf seinem müden Pferd in den verlassenen Ort dadrüben ein...
Die Afghanen sprachen es
"Katschaki" aus. Kajaki war ein
unbedeutender Ort, bis 1953 die
glorreiche Sowjetunion nicht weit
hinter der Brücke einen Staudamm
errichtete.

Der Damm ist 100 m hoch und 270 m
lang. Er reguliert den Wasserstand
des Flusses der rund 500 km Kanäle
speist, die ihrerseits 1800
Quadratkilometer Land in der
Helmandprovinz fruchtbar machen.

Der erzeugte Strom wird über eine
168 km lange Überlandtrasse nach
Kandahar geleitet .

Trotz dieser Leistung waren die
Russen auch vor der Okkupation am
27.12.1979 nicht beliebt im Lande.
Sie waren ohne "Ketab", ohne Buch
(Bibel, Koran) und die Kinder riefen
ihnen "Mr. Katschalu"
(Kartoffelfresser) hinterher.
(Aufnahme aus Wikipedia) Staudämme waren und sind immer
strategisch wichtige Objekte. Sie
waren auch damals schon schwer
bewacht. Deswegen und weil der
Damm so hässlich aussah, gibt es
kein eigenes Foto.
Wo diese außergewöhnlich schöne Brücke in Afghanistan stand, kann nicht mehr nachvollzogen werden.