BERLIN - MITTE
  Berlin

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Alles Mitte, oder was?
Vom Schloss Bellevue zum Hackeschen Markt
Nördlich des Straßenzuges 17. Juni / Unter den Linden

Große Hamburger Straße

Mai 2021
Große Hamburger Straße, Blick nach Süden von der Ecke Krausnickstraße auf die Oranienburger Straße und auf die Domkuppel. Es ist verblüffend, was es alles in diesem kurzen Stück Ur-Berlin zu entdecken gibt!


Wie alt muss die Große Hamburger Straße schon sein, dass man sie einmal als „Groß“ empfunden hat! Ungewöhnlich nur, dass sie schon 1740 gepflastert wurde.


Aber „Groß“ war die nur 400 Meter lange Straße auch um 1700 nicht wirklich. Diese Bezeichnung bekam sie auch erst 1738. Sie sollte sich von der Kleinen Hamburger Straße unterscheiden. Die geht von der Auguststraße ab.


Toleranzgasse


Die Große Hamburger Straße hatte damals im Volksmund den Namen „Toleranzgasse“. Lebten doch hier u. a. bis zur Nazizeit Juden (Jüdischer Friedhof von 1672 und „Juden-Lazarett“ von 1756), Katholiken (St. Hedwigs-Krankenhaus, 1846) und Protestanten (Sophienkirche, 1712) auf engsten Raum über 200 Jahre lang friedlich nebeneinander. Das ging gut bis die Nazis hier unsägliche Greueltaten verübten.


Da nannte man diese geschichtsträchtige kleine Gasse „Straße der Toleranz und des Todes“.

Juli 2021
Das Haus Nummer 19a ist das älteste Haus in der Spandauer Vorstadt und eines der ältesten in Berlin. Es wurde 1692 errichtet. Bei der Sanierung 1996 - die DDR hatte für so etwas kein Geld übrig - wurde darauf geachtet, dass möglichst alles Alte erhalten blieb.
Älteste Haus (1692) in der Spandauer Vorstadt, 
Große Hamburger Straße 19a
Die Hamburger Höfe in der Nr. 17 sind erst 2010 wieder hergerichtet worden. Das Haus wurde 1828 errichtet. 

Es beherbergt eine Mischung aus Wohn- und Gewerberäumen.
Hamburger Höfe, Große Hamburger Straße 17
Juli 2021
Für den Neubau mit der glatten Fassade hat das Denkmalamt seinen Segen gegeben. Aber hätte da nicht ein gemauertes Haus hingepasst? 

Wahrscheinlich gibt es in ganz Berlin keine Maurer und Ziegelsteine mehr.
Juli 2021
Hof der Hamburger Höfe
Die gelben Fassaden der beiden Häuser Nr. 15 und 16 fallen in der kurzen Straße auf. Ein Architekt und Baumeister, Edmund Fuchs sagt die Denkmaldatenbank, baute sich die Häuser im Jahre 1911.
Juli 2021
Große Hamburger Straße 15/16
Das Hinterhaus - vornehme Berliner sagen Gartenhaus -wurde im Krieg zerstört.

Ein französischer Künstler (Boltanski) schuf an dieser Stelle ein Mahnmal. Es erinnert an die Leute, die hier mal gewohnt haben.
Juli 2021
Große Hamburger Straße 15/16
Jüdischer Friedhof
Juli 2021
Jüdischer Friedhof. Große Hamburger Straße
Der Philosoph Moses Mandelson lebte von 1729 bis 1786. Sein Freund, Gottfried Ephraim Lessing, nahm in als Vorbild für sein Drama „Nathan der Weise“ ihn
Juli 2021
Der Jüdische Friedhof entstand 1672 und wurde schon 1827 geschlossen. Nach neusten Forschungen wurden in dieser Zeithier ca. 3.000 Juden hier begraben.

Heute sind nur noch einige kaum mehr zu entziffernde Grabsteine vorhanden. Die Nazis bauten hier Splittergräben und verwendeten Grabsteine als Schutz. Kurz vor Kriegsende wurden in einem Massengrab 2.427 Kriegstote verscharrt.

1970 machte die DDR aus einem Teil des Friedhofs einen öffentlichen Park.Das Gelände ist immerhin 0,59 ha groß. 2007/8 wurde der Friedhof instandgesetzt und mit Efeu bepflanzt. Er ist wieder als Friedhof zu erkennen. Leicht verwildert, und die alten Bäume dort sind wirklich ein Besuch wert.
Das bekannteste Grab des Jüdischen Friedhofs
Grabsteine des Jüdischen Friedhofs
Juli 2021
Jüdische Oberschule Berlin
Die Jüdische Oberschule Berlin wurde 1862 eröffnet. Sie wurde von Moses Mendelssohn gegründet. Sein Grab ist nebenan auf dem Jüdischen Friedhof erhalten und weiter oben auf dieser Seite zu sehen.
Juli 2021
Das eine Schule mitten in Berlin mit einem Zaun wie das Bundeskanzleramt gesichert werden muss, ist doch für Deutschland eine Schande.
Juli 2021
Der Eingang der Schule, Hausnummer 27
Jüdische Oberschule Berlin
Sophienkirche
Sophienkirche
Mai 2021
Der Grundstein für den Saalbau wurde 1712 gelegt. Da regierte der Soldatenkönig Friedrich I. Preußen, der Vater vom „Alten Fritz“ (König Friedrich II.). Der Turm wurde 1734 angefügt.
1781
Blick vom Hackeschen Markt auf die Sophienkirche
(Quelle: Wikimedia Foundation, gemeinfrei)
Ist es nicht verblüffend, was 1781 in der Spandauer Vorstadt schon für große Gebäude standen?
Auf dem Kirchenvorplatz wurden 1903/05 die Gemeindewohnungen errichtet. Im II. Weltkrieg muss hier eine Granate explodiert sein. Die Spuren der Splitter sind in der Fassade immer noch zu sehen.

Die Wohnungen hatten schon Zentralheizung.
Ausschnittvergrüßerung
Mai 2021
Der Friedhof wird schon lange nicht mehr genutzt und ist eine denkmalgeschützte Parkanlage. Der Park zieht sich bis zu den Hackeschen Höfen hin. Eine Oase in der eng bebauten Spandauer Vorstadt.

Erhalten sind nur noch einige historische Gräber. So wurde hier der Leiter der Singakademie Berlin, Zelter, und der Historiker Ranke begraben.
Coronabedingt fand der Gottesdienst draußen statt
Mai 2021
Eines der Wunder in der Spandauer Vorstadt: zwischen denen stehenden Häuserreihen gibt es immer wieder große Freiflächen.
St. Hedwig-Krankehaus (SHK)
Fassaden an der Großen Hamburger Straße 5-11
Mai 2021
 Haupteingang des SHK in der Großen Hamburger Straße 5-11
Mai 2021
Efeu gibt dem Haus ein Flair
Juli 2021
Wie schön man doch 1846 bauen konnte!
Innenhof
Juli 2021
Weitläufiger Innenhof
Da ist es wieder. Das Wundern in der Spandauer Vorstadt. 

Wer die Große Hamburger Straße an der efeubewachsenen Fassade entlang geht, kann nicht ahnen, was sich hinter dem schmalen Eingang für ein großzügiges Gelände befindet. 

Erst hier ist das Haupthaus, die große Marienkapelle und der Marienbrunnen zu sehen. Und hinter dem Haupthaus befindet sich noch einmal ein Innenhof.
Juli 2021
Die neogotische , streuwirkende Fassade des Haupthauses
Juli 2021
Marienbrunnen
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Juli 2021
Marienkapelle
An der stumpfen Ecke des Hauses ist diese Gedenktafel ian der Einmündung der Krausnickstraße in die Große Hamburger Straße angebracht
Sophienstraße
Mai  2007
Handwerkervereinshaus, Sophienstraße 18
Mai 2007
Sophieneck
Mai  2007
Sophienstraße
Auf die Perspektive kommt es an!
Gleich nebenan
Mai 2021
Sophieneck, Großen Hamburger Straße 37. 
Links die Sophienstraße.
Gedenkstätte des ehem. jüdischen Altersheim,
Juli 2021
Jüdische Opfer des Faschismus, eine Skulptur von Will Lammert. Seit 1985 an dieser Stelle
Zur Straße hin entstand 1756 das Jüdische Krankenhaus. Es wurde 1861 in die Auguststraße verlegt.

1844 wurde hier das erst Jüdische Altesheim errichtet.

1942 übernahmen die Nazis das Gebäude. Sie verschleppten von hier aus 55.000 jüdische Berliner in die KZ von Therisienstadt und Auschwitz

1943 wurde das Haus zerbombt und wurde von der DDR abgetragen. Den Friedhof gaben die der Jüdischen Gemeinde 1948 zurück.
Juli 2021
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Juli 2021
Es ist ein Unding, dass die Skulptur zeitweise bewacht werden muss!