BERLIN - MITTE
  Berlin

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Alles Mitte, oder was?
Vom Schloss Bellevue zum Hackeschen Markt
Nördlich des Straßenzuges 17. Juni/ Unter den Linden

Monbijou-Fortstzung

Monbijoubrücke
Apr. 2010
Mai 2021
Der nördliche Teil der Monbijoubrücke kurz nach der Einweihung 2006.
Kandelaber
Apr. 2010
Blick über die nördliche Monbijoubrücke entlang der Monbijoustraße
Die Säulen sind aus Granit. Die Verzierungen sind ein Bronzeguss die auch die Kugelleuchten einfassen.

Ob es Originale sind?
Wann die erste Brücke hier über die Spree gebaut wurden, ist nicht bekannt. Der Name war Große Chausseebrücke. Sie verband die Insel mit dem Schloss und deren Küchengärten und später mit der der Spandauer Vorstadt.

Sie wurde 1776 wieder mit Holz erneuert. Da von der Inselspitze, wo heute das Bode-Museum steht, ein Damm zum Schloss führte und der mit Weiden gesäumt war, bekam sie den Namen Kleine Weidendammer Brücke.

Diese hielt aber nur bis 1820. Da wurde eine Klappenbrücke errichtet. Als 1866 der Bau der Nationalgalerie begann, fiel der Damm weg. Gleichzeitig entstand auf der Insel ein Mehlhaus. Fortan hieß sie Mehlbrücke.

Bis 1904. Ernst von Ihne hatte 1897 den Auftrag bekommen, das heutige Bode-Museum und zwei steinerne Brücken über die Spree und den Kupfergraben zu bauen. Von nun an hieße sie Monbijoubrücken. 

Da sie sehr repräsentativ ausgeführt wurden, galten sie damals als die teuersten Brücken Berlins. Sie kosteten nach heutiger Währung kaufkraftbereinigt 5,65 Millionen Euro.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges sprengte die Wehrmacht die nördliche Brücke und auch die Brücke im Zuge der Tucholskystraße (damals Artilleiestraße), die heute noch ein Provisorium ist. 

Nach Kriegsende wurden über die abgetragene Monbijoubrücke nur die Versorgungsleitungen wieder hergestellt. Für uns Jungens war es eine Mutprobe über das dicke Entwässerungsrohr und die Kabelbündel zu balancieren. Ein Geländer gab es nicht. 

Man konnte die Schiffer auf den Kähnen mit den Bruchbriketts (die bekamen die Ostberliner zentnerweise einfach vor die Haustür gekippt - die ganzen Briketts kamen nach Westberlin gegen DM) zur Weißglut bringen. Wenn man das machte, wie sie hießen.

Eine Fußgängerbrücke aus Eisen mit Holzbohlen gab es erst sehr viel später. Die neue Brücke wurde erst am 12. Oktober 2006 eingeweiht. Die Wende machte es möglich, daß viele Originalteile verwendet werden konnten.
Apr. 2010
Die Monbijoubrücken im Mai 2008. Rechts die südliche über dem Kupfergraben.
Apr. 2010
So hat man die Spree von der Monbijoubrücke aus noch nie gesehen. In Coronazeiten ist es plötzlich möglich. Sonst rühren um diese Zeit (Sonntag, 11:41 Uhr, 25. April 2020) schon hunderte Schiffsschrauben das Wasser um. So schön kann Berlin sein. Das Gebäude links ist fast immer eine Kaserne gewesen: siehe nächste Seite.
Monbijoupark
Adalbert von Chamisso: *21.08.1781 Schloss Boncourt (Campagne), 21.08.1838 in Berlin

Im Jahre 1796 trat Adalbert von Chamisso für 2 Jahre als Page in den Dienst von Frederike Louise. Der 15-jährige wurde mit seiner Familie aus Frankreich von den Unruhen der Revolution vertrieben.

Chamisso, Dichter und Naturforscher, von 1798 bis 1807 preußischer Offizier, segelte von 1815 - 18 um die Welt. Diese Entdeckungsreise schilderte er in meisterlicher Prosa (1821), schrieb soziale Balladen und Märchen und forschte in der Naturwissenschaft an Manteltieren (Salpen). Wir lasen in der Schule seine berühmteste Geschichte: Peter Schlemihls wundersame Geschichte - und habe sie nie vergessen: Von dem Mann der seinen Schatten verkaufte… 

Die Berliner ehrten ihn mit einer Büste aus spanischem Marmor, die Julius Moser schuf. Sie wurde zu seinem 50. Todestag 1888 aufgestellt und steht heute noch am Monbijoupark.
Chamissodenkmal
Apr. 2010
So, das Spreeufer ist saniert. Das Bild ist von Anfang April 2010. Und nun?

Der Park in winterlicher Ruhe im März 2020

War ein kalter Winter...

Nanu?

Nun geht es geruhsam und fast schon spießbürgerlich hier zu. Alles ist gerade, glatt, steril und aufwendig hergerichtet.

So ist es immer in der Stadt. Erst gammeln Grundstücke, Flächen, oder wie hier der Park, jahrzehntelang vor sich hin.

Dann entdecken Alternative, Chaoten, Geröllheimer diesen eigentlich doch sehr schönen Flecken Erde für sich und lassen sich nieder, bauen Strandbars, Theater wie hier, oder hausen vor sich hin, chaotisch allerdings, aber frei.

Dann wird die Stadt aufmerksam, kramt hunderte Paragraphen raus und meint, so ginge es nicht weiter. Das wäre ja private Nutzung von öffentlichem Land.

Dann werden private Investoren aufmerksam, bescheißen die Stadt und ihre unfähigen Leute, ziehen sie über den Tisch - und haben das Gelände für einen Appel und ein Ei, wie am Bahnhof Friedrichstraße, ihrem Imperium einverleibt .

Die groß angekündigten Investoren rücken mit Baggern an, machen alles platt, gehen pleite und lassen das Gelände 10 Jahre als Brache liegen - wie am Zoofenster.

Wie aus dem Nichts tauchen Investoren nach den Jahren plötzlich wieder auf und verscheuern alles zu einem vielfachen Preis.

Und was hat die Stadt davon? Nichts. Sie zahlt Regressansprüche an die Nachbarn weil nun plötzlich höher gebaut wird, weil unfähige Lokalpolitiker aller Couleur jedem alles versprochen/erlaubt haben und der Steuerzahler bleibt auf dem Schaden sitzen (wie am Bhf. Friedrichstraße).

Hier ist aber die gute Stube Berlin und es ist beim Park geblieben.
Bildunterschrift in der Brandenburgia: „Die Cantianstraße mit dem Blick auf den Monbijoupark und die Häuser des Monbijouplatzes. Aquarell von Heinrich Hintze. Um 1840.“
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Als gelernter Großstädter begreift man nur schwer wenn es heißt: Der Park ist 4 Hektar groß! Können Sie etwas damit anfangen? Dass hier mal das Schloss und später ein Bunker stand, ist oben beschrieben.

Zu Ostberliner Zeiten wurde 1962 hier ein Freizeitpark gestaltet. Es entstand ein Kinderfreizeitbad, 1974 kamen Gaststätten hinzu, die 2000 saniert wurden.

Mit dem Neubau der Brücke wurde auch der Park für 3,3 Millionen Euro ziemlich steril umgestaltet. Alternative Theaterprojekte und Bars wurden vertrieben. Ein Stück Freiheit ist dahin, wie am Tacheles. Berlin verliert immer mehr an Flair, das, was es einmal nach der Wende so anziehend für alle Welt machte.

Das Ding ist auch von überall aus zu sehen!

Hinter der Stadtbahntrasse setzt sich der Park fort - als 

James-Simon-Park

James-Simon-Park
James-Simon-Park
April 2007
Um dieses seltsame Dreieck zwischen dem Stadtbahnviadukt, der Spree und der Burgstraße nahe dem Hackeschen Markt haben sich schon viele in Berlin gerissen.

Einst stand hier ein großer Rundbau des damals weltberühmten Cricus Busch-Roland mit immerhin 4.300 Plätzen. Von 1902 bis 1937. Da riß Hitler den Bau ab. Er wollte die Börse erweitern, aber die Börse an der Friedrichsbrücke gegenüber dem Dom wurde durch Bomben der Alliierten schneller abgerissen, als er bauen konnte.

Nach dem Krieg waren die erhaltenen Stadtbahnbögen, wie heute noch, sehr beliebt. Hier siedelte sich, abgezäunt, Kleingewerbe an, wurden Trabbis und Wartburgs repariert. Es sah wild aus. 

Kurz nach der Wende entdeckte Gastronomie die Stadtbahnbögen. Konnte sich zu DDR-Zeiten doch keiner vorstellen, dass der damals vollkommen tote Hackesche Markt um die Ecke mal zu einem touristischen Hotspot entwickeln würde.

Der dreieckige Park ist nur mit einem Durchgang mit dem Monbijoupark verbunden. Alle nannten ihn Kleiner Monbijoupark. Bis 2007. Da wurde er zu Ehren von James Simon in seinem Namen umbenannt, sehr zurecht übrigens (s. hier).
 April 2007
Stadtbahnviadukt am James-Simon-Park

Schön, dass es hier wieder Grünflächen gibt. Wie sehr die eine Stadt braucht, kann man an warmen Sommertagen sehen. Dann geht es hier zu wie im Strandbad und jedes Stück Rasen ist belegt.

Ist das nicht schön? Denken die Schmierfinken etwa, es sei Kunst? Undenkbar in Chicago, Washington oder in New York. Da sind die Gesetze so hart, ja brutal. Vielleicht sollten sich unsere Politiker auf ihren vielen Reisen da mal erkundigen wie die ihre Städte so sauber halten.

Apr. 2007

Links die Nationalgalerie und das Bode-Museum. 

Hinter der Brücke rechts der Monbijoupark

So hat man die Spree von der Monbijoubrücke aus noch nie gesehen. In Coronazeiten ist es plötzlich möglich. Sonst rühren um diese Zeit (Sonntag, 11:41 Uhr, 25. April 2020) schon hunderte Schiffsschrauben das Wasser um. So schön kann Berlin sein. Das Gebäude links ist fast immer eine Kaserne gewesen: siehe nächste Seite.
März 2021

Stadtbahnbrücke Monbijoupark. Im Hintergrund die Monbijoubrücke