BERLIN - MITTE
  Berlin 
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Von der Siegessäule zum Fernsehturm

Straße des 17. Juni

Alles Mitte, oder was?

Lovparade 2002         Sowjetisches Ehrenmal            Ivan versus Ami               Der Rufer             Platz des 18. März


Märzrevolution

Die Straße des 17. Juni und die Westseite des Brandenburger Tores,
aber ein Wetter zum Auswandern am 28. Oktober 2008, 11:17 Uhr
Dieser breite Straßenzug ist alles für Berlin. Er reicht von der Schloßbrücke über Unter den Linden durch das Brandenburger Tor, nennt sich dann Straße des 17. Juni, umkurvt die Siegessäule am Großen Stern,wird zur Bismarkstraße und zum Kaiserdamm, um dann bei Staaken als Heerstraße die Stadtgrenze zu verlassen. Und das meistens 6-spurig, mal mit Mittelstreifen, mal mit Seitenfahrbahnen.

Militärs haben sie angelegt, Militärs haben sie genutzt. Napoleon hat sie genutzt, die Quadriga kündet aufdem Brandenburger Tor die siegreich heimkehrenden Truppen Preußens aus Frankreich an. Kaiser
Wilhelm, Bismarck, Hitler sind durch das Tor marschiert. Die Alliierten Westmächte haben ihre Paraden
auf der breiten Straße abgehalten.
Die Westseite des Brandenburger Tores von der Straße des 17. Juni aus gesehen.
Hotel Adlon im Hintergrund bei Sonnenuntergang. (Mai 2008)
Straße des 17. Juni zwischen dem Sowjetischen Ehrenmal und dem Platz des 18. März vor dem Tor (2004)
Aus der gleichen Blickrichtung 1957
Auf dem Schild in der Mitte der Straße steht:

Achtung! 
Sie verlassen jetzt
West-Berlin
Love Parade 2002
Dann wurde es friedlicher.
Die Straße des 17. Juni,
obwohl wichtige
Verkehrsachse, ist zur
Partymeile verkommen.

Feste wurden ja hier schon
immer gefeiert. Aber dann
kam die Love Parade mit zum
Schluss mehr als einer Million
Besucher und der Tiergarten
wurde zugepinkelt.

Die Feuerwehr musste am
nächsten Tag mit C-Rohren
die Bäume retten. Was blieb?
Tausende Tonnen von Müll.
Die Beseitigungskosten wollte
Dr. Motte als Veranstalter
nicht tragen.

Bis dato war die
Veranstaltung als politische
Demonstration angemeldet
und die Stadt für die
Beseitigung des Mülls
verpflichtet.

Irgendwann wollten die nicht
mehr zahlen. Und Techno war
auch out. Die Love Parade ist
an ihrer eigenen
Gigantomanie erstickt.

Gut, die Love Parade zog
weiter nach Duisburg. Dort
gab es viele Tote.

Die Massen konnten nicht
nach rechts oder links in den
Park entweichen wie in
Berlin, egal wie viele
Millionen hier teilnahmen.

Solche Riesenveranstaltungen kann eben nicht jeder stemmen.
Wenn auch ein Provinzfürst
meint, er könne es stemmen.

Immer noch drängen große
Veranstaltungen hierher.
Public Viewing, das
Sommermärchen 2006 der
Fußballnationalmannschaft,
Modemessen, Sylvester mit
Riesenrad, Feuerwerk, usw.
und Sänger, die nicht singen
können, alles muss unbedingt
hier auftreten.

Sogar Obama, von der
Merkel vom Brandenburger
Tor vertrieben zur
Siegessäule. Er wurde
trotzdem Präsident, aber das
Verhältnis zwischen ihnen
über die 8 Jahre blieb kühl.

Aber es ändert sich was.
Alles muss jetzt eingezäunt
werden. Gar von einem
dauerhaften Zaun war schon
die Rede. Terror droht.

Einem Kinderfest wurde 2015
auferlegt, einen 2 m hohen
Zaun zu errichten,
unübersteigbar,
abbruchsicher.

Die Kosten konnten nicht
aufgebracht werden. Dieses
Fest wurde mal abgesagt.
Vielleicht wird dem Spuk ja
damit der Hahn zugedreht.
Sicherheit, Kontrolle auf
Glasflaschen, auf Flaschen
überhaupt - die Gastronomie
muss schließlich auch
geschützt werden - und nicht
zuletzt abkassieren...

Wir haben doch genug tote
Flughäfen. Ab nach
Tempelhof. Passen da nicht
10 Millionen Leute hin?
Wilde Figuren, Techno und Partys ohne Ende auf der 
Straße des 17. Juni
Sowjetisches Ehrenmal
Nach dem Abzug der Russen 1994 mussten wir uns verpflichten, das Denkmal zu ehren und zu erhalten
Mit diesem Panzertyp eroberte die Rote Armee Berlin. Der Typ nennt sich T-34/76, wurde von 1940 bis 1956 80.000 mal gebaut. Es war eine der effektivsten Waffen im 2. Weltkrieg. Er war klein (nicht einmal 6 m lang), leicht und wendig mit guter Panzerung und Ketten, hatte eine große Reichweite (460 km) und eine gute Bewaffnung.
Wo immer die Deutsche Wehrmacht die Panzer erbeuten konnte, überholten sie sie, lackierten sie um, malten ein Balkenkreuz drauf, und statteten sie mit Funkgeräten aus. Die hatten die T-34 zu Anfang nämlich nicht. Dann wurden sie wieder eingesetzt, dieses mal anders herum.

Gut, die deutschen "Luxuspanzer" sollen sogar Ledersitze gehabt haben, waren dem kleinen Massenprodukt mit den 12-Zylinder-Dieselmotoren aber in allen Belangen unterlegen.
Der Soldat ist 8 Meter hoch. Der Sandstein soll aus der abgerissenen Reichskanzlei Hitlers stammen.
Die Anlage wurde noch 1945 fertig. Hinter dem Bogen sind tausende Soldaten anonym begraben.
Nach dem Mauerfall ist der Senat vertraglich verpflichtet, die Anlage zu erhalten.

Die Inschrift besagt:

Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit 
und Unabhängigkeit für die Sowjetunion im 
Kampf gegen die Nazis gefallen sind. 1941-1945


In der Schlacht um Berlin sind alleine 80.000 Rotarmisten gefallen. Was nachdenklich stimmt:
Hat es je Freiheit und Unabhängigkeit für die Sowjetunion, oder jetzt Russland, gegeben?
Ivan versus Ami

Eine Art Gedächtisprotokoll eines Westberliners

Die Russen hatten es von Anfang an in Berlin sehr schwer, auch nur die kleinsten Sympathiewerte zu
erlangen. Bei vielen Westberlinern haben sie es bis heute noch nicht geschafft.

Im Endkampf schossen sie den Rest zusammen, vergewaltigten die Frauen, klauten alles, was nicht
niet- und nagelfest war (Uri, uri), steckten wahllos, auch viele Unschuldige, in die KZ der Nazis. Die
armen Kerle kannten kein WC, wussten nicht, was ein Fahrrad ist.

Selbst das berühmte Foto vom hissen der Roten Flagge auf dem Reichstag - nachgestellt einen Tag
nach der Eroberung des Hauses - musste retuschiert werden, weil einer der Rotarmisten zwei Uhren
am Handgelenk hatte.
Russen wollten sie ja nicht genannt werden. Es waren Sowjets
aus der gleichnamigen Union - einer Union aus ziemlich
unterdrückten Völkern.

Die Amis hatten es da leichter. Die brauchten keine Frauen zu
vergewaltigen. Denen liefen die Fräuleins freiwillig hinterher. Die
Soldiers hatten Lucky Strikes mit Virginiatabak, mussten nicht
mit Zeitungspapier Papirossas mit Bahndamm-Nordseite
drehen.
Eines der berühmtesten Bilder des 2. Wetkrieges
Die Russen wollten Westberlin 1948 aushungern. Sie zogen alle Lebensmittel der SBZ (Sowjetische
Besatzungszone) in Ostberlin zusammen. Dort sollten die Westberliner, überzeugt vom Kommunismus,
billig einkaufen. Sie hatten sich verrechnet. Freiheit war mehr wert.

Die Alliierten organisierten die Luftbrücke, selbst Kohlen wurden im eiskalten Winter 1948/49
eingeflogen. Wenn man heute die kleine Dakota oder DC 3 sieht - ein Wunder! Am 12. Mai 1949 war die
Blockade vorbei. Im Westen begann das Wirtschaftswunder, die DM wurde bis 1989 immer noch
Westgeld genannt.

Am 17. Juni 1953 schossen die Sowjets den Aufstand der Arbeiter der Stalinallee zusammen.

Die Amis nahmen am Leben in der Stadt teil. Aus den Kneipen ertönte Jazz, die "Fräulleins" trugen
Nylons, die Knirpse lernten Englisch. "Have you a chewing gum for icke?" hatte meistens Erfolg! Klar,
sie konnten einen Buick von einem Chevy und einem Studebaker unterscheiden und jeder wollte einen
Kaisers- oder Willys Jeep als Spielzeugauto haben, aber keinen Wolga. Auf "Tagen der offenen Türen"
gab es auf dem Flughafen Tempelhof Eiscreme, die so voll Sahne waren, dass man es gar nicht vertrug.

Die GI´s waren alles ausgesuchte Jungens, die besten, die die Army hatte. Es sollte ruhig sein im brisanten Westberlin. Die recht brutale MP (Military Police) tat ein übriges dafür. Viele der GI heirateten
ihre Fräuleins und nahmen sie mit über den Großen Teich, ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten".
Wer wollte schon freiwillig nach Sibirien?

Und wo waren die Sowjets? In ihren Kasernen, gebaut von Kaiser Wilhelm - und schoben Kohldampf.
Nie waren sie alleine im Stadtbild zu sehen. Sie wurden in Bussen zu irgendwelchen Dorffesten gekarrt,
spielten die Balalaika und tanzten Kasatschock.

Die Kinder im Osten hatten erst rote (bis zur 4. Klasse Jungpioniere), dann blaue Halstücher um, und
wurden Pimpfe - äh Thälmannpioniere (was für ein blöder Name!) genannt. Der Führer (huch!) brüllte
"Seid bereit!" und die Pioniere schrien zurück: "Immer bereit!". Verdammt wenig Unterschied zu dem,
was die Rotarmisten so verlustreich bekämpft hatten!

Die großen, ab 14 Jahre, hatten blaue Hemden an, waren karl-marx-erfahrene FDJ-ler. Sie riefen immer
"Freundschaft" oder "drushba". Hatten sie zum Ausgleich für den ganzen Stress die freie Liebe auf ihre
Fahnen geschrieben? Alle Jungs und Mädchen mussten jedenfalls diese 3 Phasen zwangsläufig
ableisten.

Und die auf der anderen Seite der Stadt? Die Jugend stand an der Autobahn mit ausgestrecktem
Daumen und trampte quer durch ganz Europa, Westeuropa natürlich, weg vom Eisernen Vorhang.
Der politische Witz im Osten war treffend wie in jeder Diktatur. Sie sagten über die "unzerbrechliche
Freundschaft zum großen Brudervolk":

Brüder hat man, Freunde kann man sich aussuchen!
Ivan versus Ami
"Hallo....."
Der Rufer ist ein 3 m hoher
Mann aus Bronze auf einem
Sockel. Er hebt die Hände an
den Mund und ruft über die
Mauer. Auf dem Sockel steht:
Ich gehe durch die Welt und
rufe Frieden, Frieden, Frieden
(Petrarca, 1304-1374).

Das Denkmal steht auf dem
Mittelstreifen der Straße des
17. Juni etwa 100 m vor dem
Brandenburger Tor.

Es wurde am 19. Mai 1989 an
der Stelle aufgestellt, an der
Reinald Regen am 12. Juni
1987 ausrief:

"Mister Gorbatschow, tear
down this Wall ... open this
Gate".

Der westliche Teil Berlins
feierte da den 750. Jahrestag der Gründung der Stadt.
Der Rufer (Original: Gerhard Marcks, 1889-1981)
Platz des 18. März
Eine Schulklasse, 9.
Schuljahr, wollte unter
dem Schild fotografiert
werden, weil an diesem
Tag einer von ihnen
Geburtstag hatte.
Beiläufig gefragt,
weswegen der Platz so
benannt wurde, oder
welche Jahreszahl da
fehlt, wusste keiner eine
Antwort.

Sie wären ja nicht aus
Berlin!
Der Tag, der Deutschlands Geschichte stark veränderte.
Märzrevolution
Es brodelte überall in Europa. 1846 gab es eine große Hungersnot. Die Leute waren verarmt. Dann, im
Februar 1848 gab es eine Revolution in Frankreich, am 5. März in Heidelberg, am 13. März musste
Metternich aus Wien fliehen. Als das am 15. März in Berlin bekannt wurde, riet man König Friedrich Wilhelm IV. zu liberalen Zugeständnissen an die Opposition.

In Berlin beklagte sich die Obrigkeit, dass die Soldaten immer respektloser behandelt würden. So hatten um die 200 Berliner Kinder drei Offiziere mit Steine beworfen. Sie konnten sich mit Mühe und Not retten. Ein ungeheurer Vorfall, ein Auflehnen gegen den Obrigkeitsstaat.

Am 17. März machten die Berater des Königs ihm klar, er solle einer preußische Verfassung zustimmen. Der König nahm das nicht allzu ernst. Am 18. März versammelte sich das Volk am Nachmittag auf dem
Schlossplatz. König Friedrich Wilhelm IV. ging mit seinem Staatsminister Ernst von Bodelschwingh zur
Menge auf den Schlossplatz hinaus und ließ von ihm folgendes verlesen:
Der König will:

- daß Preßfreiheit herrsche;
- daß der Landtag sofort berufen werde;
- daß eine Konstitution auf der freisinnigsten Grundlage alle deutsche Länder umfasse;
- daß eine deutsche Nationalflagge wehe;
- daß alle Zollschlagbäume fallen;
- daß Preußen sich an die Spitze der Bewegung stelle.
Das Volk jubelte dem König zu, aber alles kam anders. Die Menge erblickte Soldaten und skandierte "Militär weg" und es gab einen Befehl zum Räumen des Schlossplatzes. Das gelang nicht. Erst als die Dragoner mit gezogenem Säbel dazwischen ritten, zog sich ein Teil der Demonstranten zurück.

Grenadiere sollten jetzt den Platz räumen. Da lösten sich aus Versehen 2 Schüsse. Es wurde zwar niemand verletzt, aber die Menge glaubte, es wäre auf sie geschossen worden. Das war es dann. Dass am Schloss auf Berliner geschossen würde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt.

Überall wurden Barrikaden errichtet, um das Militär aufzuhalten. Steine flogen in die eine Richtung, Schüsse in die andere. Mehr als 200 Berliner starben, 50 Soldaten auch. Die Berater des Königs, so auch Generalleutnant Karl von Prittwitz - er löste an diesem Nachmittag den Oberbefehlshaber im Oberkommando des Heeres, General Pfuel ab - empfahl die Bombardierung der Stadt von außen. Aber der König zog das Militär um Mitternacht zurück.

Am nächsten Morgen wollte der König es nicht wahrhaben, was seine "Lieben Berliner" da mit ihm und der Monarchie gemacht hatten. Er erließ Proklamationen. Am 19. "An die lieben Berliner", am 21. "An Mein Volk und die deutsche Nation". Preußen geht fortan in Deutschland auf, usw. Aber schon im Juni hatte er das meiste wieder vergessen und bald hatte sich die Herrschaft des Königshauses wieder verfestigt. Der Stachel der Märzrevolution aber saß tief. Liberale Bestrebungen konnten nun nicht mehr einfach wie bisher ignoriert werden. Im Dezember wurde eine einseitig vom Königshaus erlassene Verfassung dem Volk quasi aufgezwungen - immerhin ein Anfang.
Der ganz normale Wahnsinn: Links vor der Westseite des Brandenburger Tores der Platz des 18. März