Pflanzen in Costa Rica
Klasse Bedecktsamer - Magnoliopsida

Costa Rica

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Pflanzen

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Brettwurzeln, Stelzwurzeln, Luftwurzeln

Brettwurzeln
Brettwurzeln

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Die Wurzelausbildungen dienen dazu, den oft großen Bäumen auf nicht tiefgründigen Boden der Urwälder oder auf Kalkböden der indo-pazifischen Inseln Halt zu geben. 


Die Bäume dort können keine Pfahlwurzeln ausbilden und so verbreiten sich die Wurzeln in der Fläche. So können die Bäume Winddruck und das Gewicht der mächtigen Kronen standhalten.

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Stelzwurzeln
(Pandanus)
Luftwurzeln
(Banyan)
Brettwurzeln

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Brettwurzel
Am Río Tárcoles im Februar
Hier reichen die Brettwurzel ca. 6 m am Stamm. hoch

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Ein Auto auf meiner Finca? Nachsehen!

An der Unterseite der Brettwurzeln wachsen feine Wurzelgeflechte die den kargen Böden der Urwälder Nährstoffe und Wasser entnehmen.


Die sich nach allen Richtungen ausbreitenden Brettwurzeln können an den Stämmen, denen sie den Halt geben, bis in 10 m Höhe ansetzen.


Ein Baum in Europa bildet auch Brettwurzeln aus: Die Flatter-Ulme. Da sie in Auwäldern oft wochenlang im Wasser steht, verleihen ihnen die - allerdings nicht sehr mächtigen - Brettwurzeln halt.

Hier standen mal tausende dieser Bäume. Nur 2 Reihen hat man stehen lassen. Wohl des Schattens wegen. Rechts und links des Caminos sind Pferdkoppeln. Was muss das für ein undruchdringlicher Urwald gewesen sein. Jetzt wächst hier gerade mal noch dürres Gras.


Die Finca liegt südlich von Hermosa zwischen der Pazifikküste und dem Küstengebirge. Sonst stehen da keine Bäume mehr.

Die Vielfalt ist enorm
40 oder 45 m hohe Bäume müssen gestützt werden
Selbst wenn so ein Baum in unserem Klima wachsen würde, wäre er doch als Straßenbaum in Berlin nicht so geeignet…. 😆
Wahrscheinlich ein alter Pochotebaum im Abendlicht.
Herradura, direkt an der Küste. Die Hauptwindrichtung (Süd hier an der Küste) lässt sich an den Wurzel ablesen (mit dämlichem Selfie mit Schatten  vom Fotografen!).
Diese Bäume sind schwer zu bestimmen. Man kommt ja nicht einmal an die Blätter, die Früchte oder Samen heran - zumal wenn sie diese abgeworfen haben.
Brett- und Stekzwurzeln?
Carrara Nationalpark
40 oder 45 m hohe Bäume müssen ja irgendwie gestützt werden
Stelzwurzeln
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Ananasmangrove am Río Sierpe. In den Mangrovenwälder am Río Tárcoles gibt es diese Art nicht.
Schwarze Mangroven versenken ihre Stelzwurzeln im Treibsand und Schlick, um Halt zu finden. Weit verzeigt bohren sich die schlanken Stelzwurzeln tief in den lockeren, der Tide unterworfenen  Treibsand
Luftwurzeln
Man sieht die Würgekraft dem Ficus richtig an (Baum in Palo Verde)
Ein Baum, der von oben nach unten wächst
Banyan
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Banyanbäume, Ficus benghalensis, auch Bengalische Feige, haben im Laufe der Evolution eine verblüffende Strategie entwickelt. Sie wachsen von oben nach unten.

Ein Samenkorn auf dem dunklen Boden des Urwaldes hätte keine Chance, hoch oben ans Licht zu kommen. Und Licht braucht jeder Pflanze, um Chlorophyll zu bilden, um wachsen zu können.

Irgendwie lässt der Samen sich hochoben in einer Astgabel ablegen. Wie er da hinkommt? Vielleicht durch den Wind, oder über ein Vogel- oder Eichhörnchenmagen?

Jedenfalls keimt er dort aus, bildet Wurzeln und Blätter, lebt von dem Substrat, das dort vorhanden ist. Er ist kein Schmarotzer, tut seinem Wirt nichts an - noch nicht.

Es dauert lange bis die dünnen Wurzeln den Boden erreichen. Dann aber setzt ein gewaltiger, nur in den Tropen möglicher, Wachstumsschub ein.

Die Luftwurzeln werden immer mehr und dick wie Stämme. Können sie die weitausladende Krone jetzt selbst tragen, ersticken sie den Wirtsbaum in ihrer Mitte.

Ihren Ästen entspringen immer mehr Luftwurzel bis einige Hundert Quadratmeter Boden bedeckt sind. 
Seine eigentlichen Wurzeln wachsen flach unter dem Boden und nehmen ebenfalls große Areale ein. Der Baum hat so viel Kraft, dass er jedes Jahr alle Blätter erneuern kann.

Die Heimat des Ficus benghalensis ist das westliche Indien und das heutige Bangladesh, jetzt ist der Baum in den gesamten Tropen verbreitet. Einen wirtschaftlichen Nutzen hat er nicht. Sein Holz ist weich. Den Hindus ist er heilig.
Gummibäume entwickeln sowohl Luftwurzel als auch Brettwurzeln. Beide Arten zum Abstützen der gewaltigen Massen. Lässt man Gummibäume wachsen, nehme sie bald große Flächen ein. So, wie dieser Baum hier auf der Halbinsel Nicoya am Strand von Samara in der Provinz Guanacate, Costa Rica
Auch einige der 600 Arten der Schräubenbaume bilden Luftwurzeln aus. Zum Beispiel in in der Nähe der warmen Meere wachsende Pandanuss.

Bei dieser Art geht es aber nicht dadrum, über diese viele Wurzeln Halt zufinden, sondern Wasser aufzunehmen. Der tiefsandige  Boden, hier meistens der Strand, geben nicht genug her.
Luftwurzelwurzeln der Pandanuss
Atemwurzeln
Bäume, die lange Zeit auf überflutete Flächen stehen, haben eine andere Art Wurzeln entwickelt, Atemwurzeln, oder Atemknie (Pheumatophoren). Sie versorgen die Bäume mit Sauerstoff und haben aber auch gleichzeitig die stützende Wirkung von Brettwurzeln. Die Sumpfzypressen in den Everglades z. B. oder der Baum hier im Park von Sanssouci und Potsdam, Brandenburg.
Der Vollständigkeit halber
Kniewurzeln der Sumpfzypresse Taxodium distichum
Außergewöhnilches
Diese verkrüppelten Bäume gaben jahrelang immer Rätsel auf, jedenfalls mir. Wie konnte so ein Wachstum entstehen?

Dabei ist die Lösung einfach. 

Ein Reiseführer auf der Insel Jersey im Ärmelkanal 2019 hatte die Erklärung.

Huftiere setzen den jungen Bäumen mit ihren Hufen und durch Verbiß zu! Und doch wächst der Baum weiter.
Baum in Palo Verde
Metusalem
Verblüffend. Zwei Deutsche wohnen neben diesem Baum seit Jahrzehnten. Beide haben ein Hotel im Schatten dieses außergewöhnlichen Riesen…
Schon etwas älter.
Wo hören die Brettwurzeln auf, wo fängt der Stamm an?
… und sie haben nicht herausbekommen, was das für ein Baum ist. Dabei sind sie stolz darauf, dass nur Induvidualreisende die Hotels fast ohne Ausschilderung nördlich von Samara, Guanacaste, finden. Was müssen das hier mal für Urwälder gewesen sein. Dieser Baum ist damals nur nicht gefallt worden, weil er keinen geraden Stamm hat.