Costa Rica


Costa Rica
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8b 

Parque Nctional Palo Verde

Ein richtiges Abenteuer
Mangobaum im Nationalpark Palo Verde
Arenal Tempisque Conservation Area
Palo Verde ist ein Teil des Schutzgebietes Area de Conservacion Arenal Tempisque (ACAT)). Es liegt zwischen dem Vulkan Arenal und dem Río Tempisque im Nordwesten Costa Ricas in der Provinz Guanacaste.

Was im ach so Öko-Land hier „Schutzgebiet“ bedeutet, ist auf der vorherigen Seite in aller Brutalität zu sehen: Ananasplantagen.
Der Park
Palo Verde

Der Nationalpark ist der bis dato weniger besuchten, unbekannteren Parks in Costa Rica. Der Name kommt von einem Baum. Palo bedeutet Stab, Pfahl, Stamm und Verde heißt Grün.


1978 wurde der Park eröffnet. Er ist 18 km2 groß. Was ihn so anziehend macht, sind die verschiedenen Landschaftsformen und die Artenvielfalt. Hat man die 30 km Schotterpiste von der Panamerikana bis zum Eingang hinter sich, wähnt man sich wie in einer afrikanischen Dornenbuschsteppe. Weiter geht es durch Trockenregenwald. Das war mal der vorherrschende Bewuchs in Mittelamerika. Heute gibt es Trockenregenwald nur noch auf 0,1 % der Fläche des Landes!


Aber hier in Palo Verde findet man noch 15 verschiebe Landschaftsformen. Verblüffend: 50 % sind von Wasser bedeckt, von der großen Lagune mit tausenden von Vögel (darunter ca. 35.000 Pfeifenten), von Sümpfe, Marschland und Tümpel. Sie werden gespeist oder entwässert durch den Río Tempisque und dem Río Bebedero.Natürlich gibt es hier Krokodile.


Mangroven 5 Arten von 6 im Lande, immergrüne oder halb-immergrüne Laubwälder - nirgends ist es abwechslungsreicher als in Palo Verde. Wie lange noch? Die korrupten Regierungen arbeiten hart daran das ganze Land in Monokulturen umzuwandeln.

Biodiversität
                 Palo Verde                  Ananasplantage
Pflanzenarten 
Vögel
Säugetiere
Reptilien
Insekten
750
280
45
55
?
1
0
0
0
1
Von Bagacas nach Palo Verde
Die 22 lm von der Carretera Panamericana (25.750 km lang - von Alaska bis Feuerland) bis zum Eingang des Parks war nicht immer so gut befahrbar. Eine Felge eines Jeeps war mal total zerknautscht. Gut wenn man Vollkasko hat.

Die Fahrt führt unspektakulär an Zuckerrohrplantagen und an Reisfelder (s. vorherige Seite) vorbei. Das viele Wasser für diese Felder kommt vom Flusssystem des Río Tempisque, das den Park im Westen begrenzt.

Einige Male macht der Sendero einen Knick im rechten Winkel und man kommt schwer ins Grübeln wenn der Weg sich gabelt. So etwas Komfortables wie Wegweiser gab es nicht.

Einst stand hier Trockenregenwald wie überall auf der westlichen Seite Mittelamerikas. Der macht jetzt nur noch 0.1 % der Landfläche aus. Pech für Flora und Fauna!
22 km bis zum Eingang des Nationalparks
Zuckerrohrplantagen
Reisfelder
Von om Eingang bis zur Rangerstation
Afrika?
Kugelkopf-Akazie-Acacia-collinsii
„Dornenbuschsteppe“
Na klar, man kann die 8 km vom Eingang bis zur Rangerstation den Weg mit Staubfahne hinten dran runter donnern. Aber man sieht garantiert nichts. Zwischen all den Dornen und vertrocknetem Gestrüpp fühlt man sich wie in Afrika.

Pekakis und Rehe kreuzen frühmorgens den Weg und den Schlangenfresser da oben im kahlen Baum sieht man dann garantiert nicht.

Der entpuppt sich später als Lachfalke. Haben Sie den Namen schon mal gehört? Hier steht mehr über diesen seltsamen Vogel der sich hauptsächlich von Schlangen ernährt.

Und warum der Cara cara hier lieber durch das Laub per pedes unterwegs ist und nicht fliegt, bemerken die Schnellfahrer ja nicht. Zugegeben, zuerst wirkt der trockene Teil langweilig und tot.
Kugelkopf-Akazie-Acacia-collinsii
Trockenregenwald
Nach 8 Kilometer auf diesen Weg erreicht man die Rangerstation (kein Bild) mit ein paar Übernachtungsmöglichkeiten. Einfache Zimmer für 90 US $, immer ausgebucht.

Ein paar km weiter erreicht man einen Mangohain. Für mich der Höhepunkt des Parks. Warum? Hier sind alle Affen der Gegend zuhause. Sie lieben die Mangos.

Dahinter befindet sich der Wirtschaftshof und weiter geht es zur großen Lagune. Noch einen Kilometer weiter Endet der Hauptteil am Ufer des Río Tempisque. Hier hat man den Nationalpark einmal von Ost nach West durchquert.
Mangohain
Affentheater
Einige uralte Mangobäume sind der Höhepunkt des Parks. Hier finden alle Affen der Umgebung ihre Nahrung. Sie sind neugierig, aber nicht so aufdringlich wie in Manuel Antonio

Der junge Kapuzieneraffe wollte die Galletas ja so gerne haben, nahm sie aber nicht aus der Hand. Die Kekse mussten in die Gablung des Mangobaumes (Bild nebenan) gelegt werden.
Mangobaum
Kapuziner
Brüllaffe
Wirtschaftshof
Wohnhaus der Ranger
So baut man im Regenwald Wohnhäuser. Aus Eisenholz. Farbe, Antifauling? Braucht das Holz nicht. Selbst die Holzwürmer beißen sich die Zähne an dem härtesten Holz der Welt aus. Und da oben hat man viel weniger Schlangen und all das Getier, was auf dem Boden des Waldes so rumkraucht.  

Leider haben das schon die ersten Siedler erkannt und die Bäume gibt es nicht mehr.
Das Ding muss doch laufen!
Eilig haben wir es hier nicht…
… erst mal eine Pfütze machen
Ein richtiges Abenteuer 
Palo Verde (grüner Pfahl) ist ein Baum mit grünlicher, glatter Rinde. Um in den abgelegenen Park zu kommen, muss man einen ziemlich scheußlichen Weg entlang fahren, wie gesagt, 30 km lang. Vorbei an Reis- und Zuckerrohrfelder, eine ziemlich karge Landschaft.  Am Tor werden 12 US$ abgedrückt und die sind enttäuscht, will man in Colones zahlen. Der Ranger zieht sein Handy raus, sucht die App und rechnet genau nach Kurs aus. Umgekehrt sind sie nicht so pingelig. Da runden sie ganz großzügig ab.

Fast fünf Stunden hat man gebraucht von Jacó aus bis hier her. Der Wagen ist innen und außen vollkommen eingestaubt. Ununterbrochen wehen starke Winde. In Liberia fällt ein Baum auf ein Taxi, ein leerer Truck kippt um. 22 km Piste. 

Jetzt noch 8 km durch eine Landschaft mit Dornenbüschen bis zur Rangerstation, wo es 6 Zimmer gibt. Der Ranger dort meint, es sei alles ausgebucht. Dann bekommt er so ein teuflisches Grinsen um die Augen und meint, 1,5 km weiter, im Wirtschaftshof, die hätten auch Zimmer. Man kennt den Hof. Da soll es Zimmer geben? Oh Gott.

Es geht bis zu einem Hain mit Mangobäumen. Überall schauen neugierige Kapuzineraffen runter und ein müder Nasenbär schlurft über den Weg, desinteressiert.  
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Nasenbär

Genauso müde schlurft eine dunkelhäutige Lady heran. Ihre Augen blitzen hellwach und sie zeigt ziemlich viele Zähne – und noch  mehr Zahnlücken. Man fällt hier nicht gleich mit dem, was man will ins Haus, macht erst Smalltalk. Sie versucht die Nationalität zu erraten, meint dann Deutsche wären sehr reich, erklärt, dass der Wind die Ausläufer eines Hurricans über Mexiko sind. Sie wisse das aus dem TV, der den ganzen Tag läuft, erkundigt sich was man denn abends essen will und lacht sich halb tot, dass man den Spruch „Arroz con siempre“ kennt, „Reis wie immer“ – also mit Huhn (oder Leguan) und das man das auf keinen Fall möchte. Gut, sie wird Carne vacca kochen, Rindfleisch mit Kartoffeln drin.

Dann schließt sie die Hütte auf. Drei Doppelstockbetten, alle mit Moskitonetzen, das Bett für 13 $. Die Laken sauber, aber voller Staub vom Wind. Die Baños draußen, mit ziemlich großen Spinnennetzen. Vor der Tür Schaukelstühle. Kein anderer Gast findet hier her. Prima.

Die Lady kommt jetzt erst so richtig in Fahrt. Sie schäkert. Ob denn alle Deutschen Spanisch sprechen. Sie staune immer wieder. Dann klingelt ihr Handy und sie entschwindet in den Wald.

Aber da man die Lady nun fast um den Finger wickeln konnte, war ja auch ein kleiner Wunsch einzuflechten. Ob es hier Tamarindobäume gibt? Es ist die Frucht der Tropen. Die bilden eine Schote aus, in der 5 Kerne sind, wie Ebenholz, kohlraben-schwarz , wie ein Embryo geformt. Die sind umgeben von einem Millimeter Fruchtfleisch. Und das ist das süßeste und sauerste zu gleich was man je im Mund hatte.

Und die Lady jagte jemanden in den Park. Am nächsten Morgen gab es den ausgekochten Saft von Tamarindo, zwei Liter Saft auf Eis. Köstlich. Wird es wohl nie wieder geben...
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War ja nicht schlimm, dass man mit dem Kinn auf der Höhe des Tellerrandes war, auch das Essen hat hervorragend geschmeckt, aber das es kein Bier, kein kaltes Getränk gab, war ja dann doch etwas hart. Gut. Die Lady bekam eine halbe Tasse Rum, Flor de Caña, 4 Jahre alt. Hat die Lady  danach gegiggert!
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Saß man da im Schaukelstuhl fehlte nur das Gewehr über den Knien. Von ferne war das durchdringende Gebrüll der Mono Congos zu hören, der Brüllaffen. Zwei Nasenbären liefen ohne Scheu vorbei, ein Cara cara kam zur Tränke. Die Sonne ging unter – und man wurde vertrieben. Mücken ohne Ende. 18:30 Uhr. 

Was nur tun? Ab unters Moskitonetz. Erstaunlich, wie man sich an den 12-Stunden-Rhythmus gewöhnen kann. 

Die Matratze war dünn, die Bretter deutlich zu spüren. Neumondnacht. Der Weg zum Bad unheimlich. Der Wind fegte alles Mögliche heran. Schlängelte sich da was? Gegen Morgen brüllten die Congos wieder. Richtig schöner Urlaub. Man erlebt ja sonst nichts.

Der Park? Muss so eine Art Hassliebe sein. Man weiß, viel gibt es ja nicht mehr zu sehen, wie überall im Lande. Gut, hier kam mal ein Jabiru vor die Linse, der einzige im Leben (und der letzte seiner Art?) und man war keine 2 Meter von einem Mono Congo entfernt, sah 1000de Wasservögel, an die man an der weitläufigen Lagune nicht nah genug heran kam.

Der Cara Blanca, der putzige Weißgesichts-Kapuzineraffe, findet die Einwanderungspolitik auch nicht so gut. Er fordert mehr Bananen oder er nimmt die Einladung von Frau Merkel an! Man schrieb das Jahr 2016.

(Warum eine Übernachtung notwendig wurde, sieht hier).
Kantine
Lagune
Das Marschland am Río Tempisque in Palo Verde
(License Wikimedia hier)
Das Marschland am Río Tempisque in Palo Verde
(License Wikimedia hier)
Die Zugvögel brauchen freie Wasserflächen. Einige Jahre war diese Eigenkonstruktion im Einsatz, um die rasend schnell wachsenden Pflanzen in Schach zu halten. Dann war sie verschwunden. Hat wohl nicht so richtig funktioniert.

60 Vogelarten sind gezählt worden. Alleine Enten- und Gänsearten sollen Stückzahlen von 100.000 Vögel erreichen. Der Nachteil für Fotografen? Es führt nur ein kurzer Steg ins Flache. Man kommt nicht nahe genug heran.
Soll die Lagune von Bewuchs freihalten…. 
Eilig haben wir es hier nicht…
Ein seltener Vogel in der Lagune: ein Jabiru
Im Herbst landen hier Zehntausende Zugvögel aus dem kalten Ländern USA und Canada
Río Tempisque
Río Tempisque bei Flut
Hier geht es nun wirklich nicht mehr weiter. Es sei denn, man akzeptiert die Krokodile im Fluss als Motivationstrainer für Schnellschwimmen.

Der Río Tempisque begrenzt den Park im Westen. Er ist die 144 km lange Lebensader der Provinz Guanacaste. Sein Wasser macht erst Zucker- und Reisanbau hier möglich. Er mündet im Golf von Nicoya.

Der junge Fischadler benahm sich seltsam. Er flog nicht weg. Hatte er sich zu viel Fisch aus dem Fluss geholt? Neugierig beobachtete er alles was da unter seinem Ansitz geschah. Sonst haben Fischadler eine viel größere Fluchtdistanz. An Menschen war er nicht gewöhnt. Hier waren ja nie welche.
Endstation am Río Tempisque
Ospri - wie hier die Fischadler heißen
Verwunschne Bäume?
Mitnichten! Lange wurde gerätzelt, warum gerade hier im Park so viel Bäume mit eigenartigen Wuchs stehen. Lange wurde keine Antwort gefunden. Bis der Ranger vom Wirtschaftshof - er hatte am Abend eine Tasse Rum abbekommen, das Rätsel gelöst hat. Bevor hier der Park 1978 eingerichtet wurde, nutzen die Campessinos den Trockenregenwald hier für ihre Huftiere, meistens Ziegen. Die verbissen junge Bäume, trampelten sie mit den Hufen immer wieder nieder. Da so ein verwachsner Bäum nicht gefällt wurde, sind es heute oft die ältesten Bäume im Park 

Wildwuchs?

Die Würgefeigen bei der Arbeit
Kletterbaum
Überlebt weil nicht nutzbar
Sendero al sur
Irgendwo geht von dem von Ost nach West verlaufenden Hauptweg ein Weg nach Süden ab. Kilometer lang durch den Trockenregenwald. Hier kam selten einer her. 

Dort haben sich die Ranger jedes Jahr ein Spaß gemacht. Man hatte 500 m Zeit sich zu wundern und zu gruseln, wer da steht. El Pirrata war gut platziert. (El Pirata ist übrigens eines der wenigen Worte im Spanischen wo Artikel und Endung nicht übereinstimmen. Wie bei La mano - die Hand).
Von weitem schon zu sehen: „Rangerscherz“
Wetten? Jeder Betrachter dieses Fotos kann sich kaum vorstellen, wie es hier aussieht, wenn es regnet: Die Natur explodiert! Gras wächst 2 m hoch am Wegrand; man fährt durch einen grünen Tunnel. 

Alle Bilder auf allen Seiten in den 11 Jahren Urlaub in Costa Rica sind im Januar und Februar gemacht, in der so angenehmen Trockenzeit. Die Regenzeit hat man in den 4 Jahren im Nachbarland erlebt - durchaus ein Abenteuer.

Fährt man den Weg auf den beiden Bildern oben weiter, kommt man an 2 oder 3 Hütten in denen Ranger wohnen. Bei einer Pause dort raschelte es im Unterholz. Was Langes war dann zu sehen. Es bewegte sich. Das Lange hatte unten zwei Nasenbären dran! 

Aber was für eine Frechheit! Hatte man nicht Eintritt bezahlt? Und die Nasenären interessierten sich nicht im geringsten für die Besucher.

Wie gesagt, hier hinten im Park kommt niemand her. Die Besucher halten sich an den Attraktionen auf. 5 oder 6  kurze Wanderweg (Senderos) und an der Lagune. Nie wurde ein anderes Auto in diesem Teil des Parks gesehen. 

Der Versuch, abgehende Wege zu befahren, ging jedes mal schief. Da ging es wirklich nicht weiter.

Nach einigen Kilometern änderte sich die Landschaft. Man kam raus aus dem wirklich trockenen Wald. Rechts und links des Weges tauchten Entwässerungsgräben auf, dann Tümpel und zugewachsene kleine Seen.

Meistens zugewachsen mit der Pest flacher Gewässer in den Tropen: Hyazinthen, genauer die Dickstielige Wasserhyazinthe - Eichhornia crassipes (s. hier). Hier war man an den östlichen Ausläufern der großen Lagune.

Leider konnte nie ergründet werden wo dieser doch so abenteuerliche Weg endete - aus Zeitgründen.
Weissrüssel-Nasenbär 
Nasura narica
Palo Verde - der Baum
Der Ranger meinte, das wäre der Baum nachdem der Park benannt ist

Forscht man im Netz nach einem Baum mit dem Namen Palo Verde/Costa Rica stößt  man auf Jerusalemdorn Parkinsonia praecox. Er wird als dorniger Busch oder kleiner Baum von 9 -12 m beschrieben. Nicht die Rinde des Stammes, sonder die Rinde der Äste ist glatt und grün. Jerusalemdorn wächst in halbtrockenen Gebieten, was hier ja stimmt. Na gut, der Ranger weiß bestimmt mehr über den Baum als das Internet, glauben wir ihm.